Bundeswehr soll Jugendliche "skruppellos" anwerben

Arbeitslose in den Krieg?

Die innenpolitische Sprecherin der Linksfraktion, Ulla Jelpke, wirft der Bundeswehr vor, sie betreibe "eine skrupellose Rekrutierungspolitik". Mit über 600 "Einsätzen" alleine in diesem Jahr wolle sie Jugendliche werben. Die Aktion koste 1,3 Millionen Euro. Dabei mache sich die Truppe in Innenstädten, Schulen, Messen und Ausstellungen "breit". "Karriere-Treffs", Info-Mobile und Messestände des "Zentralen Eventmarketings" der Bundeswehr und der Zentren für Nachwuchsgewinnung richteten sich "primär an die Abschlussklassen" von Schulen, habe die Bundesregierung in ihrer Antwort auf eine Kleine parlamentarische Anfrage der Linksfraktion mitgeteilt.

Auf der Bundeswehr-Homepage heißt es über den "Karriere-Treff": "Karrieretruck, Kinotruck, Kletterwand und Bühnentruck sollen die Jugendlichen überzeugen." Das bedeutet nach Auffassung von Jelpke, dass durch Technikbegeisterung und Spaßangebote Minderjährige fürs Militär "geködert" werden sollen. Absurd werde es, wenn die Bundesregierung behaupte, es gehe ihr um die "authentische Darstellung möglicher Arbeitsplätze" bei der Bundeswehr. "Da kann man nur hoffen, dass sie nicht anfängt, aufs Publikum zu schießen", so Jelpke.

Grund für die umfangreiche Reklame sei nach Auskunft der Bundesregierung, dass rund 60 Prozent des jährlichen "Ergänzungsbedarfs" der Streitkräfte durch die externe Personalgewinnung gedeckt werde. Die Linksfraktion habe eine komplette Liste "aller einschlägigen Reklameeinsätze" mit zugehörigen Daten abgefragt - es seien fast 600 "Auftritte für über 1,3 Millionen Euro".

"Wir ermuntern ausdrücklich die antimilitaristischen und Friedensgruppen vor Ort, diese Termine wahrzunehmen und zu protestieren", so Jelpke. "Gegen völkerrechtswidrige Kriegsbeteiligungen und Auslandseinsätze der Bundeswehr und gegen den Versuch, Jugendliche dafür zu werben."