Weiterer Bundeswehr-Ausbilder gesteht Misshandlung von Rekruten

Stromstoß

Im Prozess vor dem Landgericht Münster gegen frühere Bundeswehr-Ausbilder der Freiherr-vom-Stein-Kaserne in Coesfeld hat am Mittwoch ein zweiter Angeklagter Verfehlungen eingeräumt. Der 28-jährige Ex-Oberfeldwebel Daniel J. aus Erkrath gestand, im so genannten "Verhörkeller" in der Kaserne im Rahmen einer simulierten Geiselnahme einem Rekruten mit dem Prüfgerät eines Feldfernsprechers einen Stromstoß verabreicht zu haben. Er habe dem Soldaten die Kabelklemmen an die entblößte Wade gehalten, während ein anderer Ausbilder durch Kurbeln den Strom erzeugt habe.

Daniel J. sagte, er selbst habe die Stromstärke getestet und sei über die Wirkung erschrocken gewesen. "Die Sache ist aus dem Ruder gelaufen." Wie es dazu kam, könne er sich nicht erklären. "Ich habe einen großen Fehler gemacht", sagte der 28-Jährige. Er habe auch ein schlechtes Gewissen gehabt, weil man "alles vertuschen wollte".

Vor Daniel J. hatte bereits ein 26 Jahre alter früherer Unteroffizier die Schikanen gestanden und berichtet, dass man den Rekruten Wasser in den Mund gepumpt habe.

Die Staatsanwaltschaft wirft bei dem Prozess den insgesamt 18 Angeklagten vor, in ihrer Funktion als Ausbilder rund 160 Rekruten bei Nachtmärschen im Sommer 2004 gefangen genommen und misshandelt zu haben.

Der Prozess soll nach den Osterferien am 16. April fortgesetzt werden.