Spekulationen über den Verkauf von Tank & Rast

Autobahnraststätten

Knapp zweieinhalb Jahre nachdem die britische Beteiligungsgesellschaft Terra Firma Capital Partners den Bonner Autobahnraststättenbetreiber Tank & Rast übernommen hat, steht vermutlich ein neuer Verkauf des Unternehmens an. Damit würde das Unternehmen seit der Privatisierung im Jahr 1998 zum dritten Mal den Betreiber wechseln. Die US-Bank Citigroup habe von Terra Firma das Mandat erhalten, den Markt zu sondieren, sagte eine mit der Situation vertraute Person am Dienstag dem Nachrichtenmagazin Reuters. Unter Berufung auf Informationen aus Finanzkreisen berichtete die "Frankfurter Allgemeine Zeitung", dass der Finanzdienstleister Citigroup Inc. den Verkaufsprozess koordinieren soll.

Mit rund 340 Tankstellen - einschließlich 50 Hotels - und 370 Raststätten an 720 Standorten entlang der Autobahn deckt die Tank & Rast-Kette eigenen Angaben zufolge rund 90 Prozent der deutschen Autobahn-Raststätten ab. Durchschnittlich alle 60 Autobahnkilometer findet sich eine Tank- und Raststätte des Unternehmens, das 1951 als Gesellschaft für Nebenbetriebe der Bundesautobahn mbH gegründet wurde. Das Unternehmen arbeitet seit dem Jahr 2004 zudem intensiv mit Gastronomiemarken, wie Barilla, Burger King, Mc Donald's, der zu Apax-Partners L.P. gehörende Nordsee-Kette, Segafredo und Lavazza zusammen.

Die Bietergemeinschaft der Allianz-Tochter Capital Partners, Apax Partners L.P. und LSG Lufthansa Service Holding hatte 1998 den Zuschlag zur Übernahme der Autobahn Tank & Rast AG erhalten. Mit dieser Beteiligung engagierte sich die Catering-Tochter der Lufthansa erstmals in einem, vom Fluggeschäft unabhängigen, Bereich.

Mit dem ursprünglichen Verkauf der Aktien waren nach Angaben der Bundesregierung vom 6. Januar 2005 gewisse verpflichtende politische Vorgaben verbunden. Demnach sollte das nach Auffassung der Bundesregierung bewährte System "Fahren, Tanken und Rasten auf der Autobahn" erhalten bleiben. Auch sollte die mittelständische Pächterstruktur sowie die Angebotsvielfalt erhalten werden. Des weiteren wurde die Vermeidung von Monopolen zur Bedingung gemacht.

Die Zahl der Pächter wurde seit 2004 dennoch reduziert. Aus "wirtschaftlichen Gründen", wie es hieß. Laut Financial Times hat Terra Firma seit dem Kauf des Unternehmens zudem die Pachten zwischen den Jahren 2005 und 2007 um mehr als das Doppelte erhöht. Die betroffenen Pächter äußerten offenbar öffentlich ihren Unmut über das Vorgehen.

Am 17. November 2004 gaben die Hauptaktionäre von Tank & Rast bekannt, dass sie ihre Beteiligung am Unternehmen an den britischen Investor Terra Firma Capital Partners verkaufen wollten. Das Unternehmen wechselte für 1,1 Milliarden Euro den Besitzer.

Laut Financal Times übernahmen die Banken Royal Bank of Scotland, Société Générale und WestLB die Refinanzierung von 1,2 Milliarden Euro der Tank & Rast-Kette. Die Beratung für den Verkauf des Unternehmen hatte die US-amerikanische Investmentbank Goldmann Sachs Group Inc. übernommen.

Der Finanzinvestor Terra Firma Capital Partners hatte laut Financial Times vom Juli 2006 die Schulden von Tank & Rast um mehr als ein Drittel aufgestockt und dadurch eine Sonderausschüttung an ihre Geldgeber von rund 400 Millionen Euro finanziert. Damit hätten die Eigner der Kette bereits das 1,5 bis 2-fache ihres Einsatzes zurückerhalten.

Die Frankfurter Allgemeine verweist in Zusammehang mit den aktuellen Verkaufsplänen auf den Verkauf der britischen Raststättenketten Moto und Roadchef, für die das 13- bis 14-fache des operativen Gewinns bezahlt worden sei. Informationen aus Finanzkreisen zufolge hat Tank & Rast im vergangenen Jahr ein operatives Ergebnis von 160 bis 170 Millionen Euro erzielt. Damit ergäbe sich rechnerisch, so die Zeitung, ein Unternehmenswert von 2,1 bis 2,4 Milliarden Euro.