Forscher fordert Ökostrom als verpflichtendes Standardangebot

"Einfacher Eingriff des Gesetzgebers"

Nach Ansicht von Daniel Pichert, Forscher am Berliner Max-Planck-Institut für Bildungsforschung, könnte der Gesetzgeber mit einem einfachen Eingriff die Nachfrage nach Strom aus erneuerbaren Energiequellen schlagartig erhöhen. Damit der Anteil des Ökostroms gesteigert werden könne, müsste ein Ökostromtarif zum Standardangebot werden und ein kerkömmlicher Tarif nur auf expliziten Wunsch verkauft werden.

In der aktuellen Ausgabe der Zeitschrift "Sonnenenergie" fordert Pichert vom Gesetzgeber, Ökostrom zur Grundversorgung zu erklären. Seiner Auffassung nach würden Kunden, die beim Einzug in eine neue Wohnung oder ein neues Haus, den Ökostromtarif als Standardangebot erhielten, höchstwahrscheinlich dabei bleiben.

Der Autor beruft sich in seinem Artikel auf Meinungsumfragen, nach deren Ergebnis zwischen 50 und 90 Prozent der Deutschen gerne sauberen Strom beziehen wollen und bereit wären, dafür mehr zu bezahlen. In der Realität seien etwa ein Prozent der privaten Haushalte tatsächlich Kunden bei Ökostromanbietern

Der Wechsel von einem örtlichen Versorger zu einem Ökostromanbieter würde nach Auffassung Picherts oft aus rein psychologischen Gründen scheitern. Viele Menschen würden den möglichen Aufwand, der mit einem Wechsel verbunden sei, fürchten. Er vermutet: Würde Strom wie Autos oder Textilien behandelt werden, könnte die Nachfrage nach Ökostrom sofort in die Höhe schnellen.

Pichert erwartet, dass bei entsprechenden Vorgaben des Gesetzgebers die steigende Nachfrage nach Ökostrom die Konzerne dazu bewegen würde, stärker in die neuen Technologien zur Energieerzeugung aus Biomasse, Wind und Sonne zu investieren. Auf diese Weise würde der Gesetzgeber dazu beitragen, sauberen Strom zu fördern und eine nachhaltige, umweltschonende Energiewirtschaft zu stärken.