Dämpfer für Atompläne von E.On in Finnland

Votum gegen neues Atomkraftwerk

Der deutsche Atomriese E.On hat in Finnland offenbar einen Rückschlag erlitten. Das Unternehmen wollte am bereits bestehenden, südfinnischen Atomkraftwerksstandort Loviisa ein neues Atomkraftwerk errichten. Jetzt hat der Stadtrat von Loviisa mit Beschluss vom 9. Mai mehrheitlich gegen den Verkauf von 112 Hektar Land an den deutschen Energiekonzern gestimmt. 16 der 27 Stadtratsvertreter sprachen sich nach Angaben der Organisation Urgewald gegen den Verkauf des Grundstücks aus. Damit brachten sie ein vorläufiges Abkommen zwischen der Stadt und E.On zu Fall.

Die Abstimmung zeigt nach Auffassung von Regine Richter von Urgewald, "dass die Zustimmung zur Atomkraft in Finnland zurückgeht." Die anderthalbjährige Verzögerung "und die zahlreichen Pannen beim Bau des neuen Atomkraftwerks Olkiluoto" sowie die Pläne, in Finnland Uran abzubauen, führten den Finnen die Nachteile und Gefahren der Atomkraft vor Augen. "E.Ons aggressive Atomausbaupläne haben damit den ersten Dämpfer erhalten."

Umweltorganisationen hatten befürchtet, dass der deutsche Atomkonzern das Kraftwerk auch bauen will, um sich am Bau des finnischen Endlagers zu beteiligen. "Die Genehmigung eines Neubaus in Finnland gibt es nur, wenn sich der Konzern auch um die Endlagerung kümmert", erläuterte Ulla Klotzer von den finnischen Frauen gegen Atomkraft. "Mit einer Beteiligung am geplanten Endlager in Olkiluoto könnte E.On Pläne vorwärts treiben, das Endlager auch europaweit zu nutzen." Neben dem Risiko würde der Konzern dann auch noch den Müll nach Finnland exportieren, kritisiert die finnische Atomkraftgegnerin. "Wir begrüßen, dass diesen Plänen eine Abfuhr erteilt wurde."

In Finnland werden derzeit vier Atomkraftwerke betrieben: zwei am Standort Loviisa und zwei am Standort Olkiluoto. In Olkiluoto errichten AREVA und Siemens derzeit , ein fünftes Atomkraftwerk vom Typ "Europäischer Druckwasser-Reaktor (EPR)". In Olkiluoto soll zudem ein atomares Endlager errichtet werden.