Umweltbundesamt verlangt Kohlendioxid als Kältemittel für Automobilklimaanlagen

Automobilhersteller gefordert

Erst ab dem Jahr 2011 müssen die Klimaanlagen neuer Pkw-Typen mit einem Kältemittel befüllt sein, das nur noch im geringen Umfang zum Treibhauseffekt beiträgt. So schreibt es eine europäische Richtlinie über Automobil-Klimaanlagen vor. Nach Auffassung des Umweltbundesamtes (UBA) steht aber schon heute für Klimaanlagen in Autos eine klimafreundliche Alternative bereit: Kohlendioxid (CO2) - als Kältemittel auch R 744 genannt. Die Umweltbehöhrde appelliert jetzt an die deutsche Automobilindustrie, für die Klimaanlagen schnellstmöglich CO2 einzusetzen. Es sei weniger schädlich für das Klima als die bisher eingesetzten Stoffe, serienreif entwickelt, weltweit verfügbar und Teil innovativer Anlagentechnik.

"Die deutsche Automobilindustrie hat jetzt die Chance, mit einer Entscheidung für die CO2-Technik die Initiative für mehr Klimaschutz bei Autos zu ergreifen", sagte Professor Andreas Troge, Präsident des Umweltbundesamtes. An keiner anderen Stelle des Autos sei es so kostengünstig, die Klimawirkungen zu mindern. Die Alternative zu CO2 wären verschiedene neue künstliche Gemische organischer Fluorverbindungen. Doch diese seien bisher wenig untersucht.

"Bisher sind Automobilklimaanlagen echte Klimasünder", so die Umweltbehörde. "Sie enthalten das Kältemittel R 134a." Dabei handele es sich um den fluorhaltigen Kohlenwasserstoff Tetrafluorethan. R 134a habe ein Treibhauspotential, das 1300 Mal so hoch sei wie das von CO2. "So verursacht ein Auto mit Klimaanlage bei mittlerer Fahrleistung allein wegen der laufenden Freisetzung von R 134a aus der Anlage umgerechnet eine zusätzliche Emission von 7 Gramm CO2 pro gefahrenen Kilometer."

In Deutschland gelangten im Jahr 2005 so insgesamt etwa 2,6 Millionen Tonnen CO2-Äquivalente in die Atmosphäre - dies entspreche der Menge an Kohlendioxid, die 1,5 Millionen Kleinwagen bei einer Fahrleistung von 15.000 km pro Jahr emittieren.

Um auch in Hinblick auf 2011 wenig treibhausgasintensive Emissionen zu erzielen, stehe als erste Alternative CO2 zur Verfügung, welches als Kältemittel weitere Vorteile habe. Es sei weltweit bereits heute in den erforderlichen Qualitäten verfügbar, kostengünstig und könne bei der Entsorgung oder Reparatur einfach in die Atmosphäre freigesetzt werden, aus der es vorher gewonnen wurde. Klimaanlagen mit CO2 sind nach Darstellung des Umweltbundesamtes serienreif und schon heute in Leistung und Verbrauch mindestens genauso gut wie Anlagen mit R 134a. An einigen Autos hätten Hersteller sogar deutliche Vorteile zeigen können, wie eine schnellere Abkühlung des Innenraums und geringeren Kraftstoffverbrauch.

Die "möglichen" Mehrkosten hielten sich in Grenzen: Ein namhafter Hersteller schätzt nach Angaben der Behörde, dass die Mehrkosten für einen Kleinwagen in der Serienproduktion bei unter 30 Euro pro Auto liegen. Die Automobilindustrie könne daher jetzt zügig mit den Planungen für neue Autos mit CO2-Klimaanlagen beginnen. So sei ein schneller Ausstieg aus der klimabelastenden R 134a-Technik möglich.

Als weitere Alternative böten Chemieunternehmen verschiedene Stoffmischungen organischer Fluorverbindungen an. Über diese, erst in jüngster Zeit entwickelten Gemische sei bislang aber nur wenig bekannt. Besonders Aussagen zur Toxikologie, zum Umweltverhalten, zu den technischen Eigenschaften bei unterschiedlichen Klimabedingungen, zum Langzeitverhalten in den Klimaanlagen und zu den Kosten der Kältemittel seien "lückenhaft".

"Allein die Untersuchungen zur Toxikologie können drei Jahre dauern", warnt die Umweltbehörde. "Wie die Automobilindustrie vor diesem Hintergrund den feststehenden Ausstiegstermin aus R 134a mit diesen Stoffen einhalten will, verstehe ich nicht", so UBA-Chef Troge.