Feuer in Krümmel nicht gelöscht, Brand auch in Brunsbüttel

Demo am Sonntag

Die Zwischenfälle in den schleswig-holsteinischen Kernkraftwerken Krümmel und Brunsbüttel haben die Debatte um die Sicherheit dieser Technologie neu entfacht. Mehrere Politiker forderten am Freitag die endgültige Abschaltung der Anlagen. Mehrere Anti-Atom-Initiativen aus Norddeutschland riefen für Sonntag, 14 Uhr, zu einer Kundgebung vor dem Atomkraftwerk Krümmel bei Hamburg auf. Unterdessen wurde bekannt, dass es am Donnerstag auch in Brunsbüttel zu einem Brand kam. Die Ursache des Brandes in Krümmel ist weiter unklar.

Wegen der großen Hitzeentwicklung gelang es Experten am Freitag noch nicht, den Brandherd in einem Trafo-Werk auf dem Gelände des Reaktors Krümmel näher zu inspizieren. Dort loderte nach Angaben von Vattenfall-Sprecher Ivo Banek "direkt innerhalb des Trafos noch ein Brandherd". Die Sachverständigen würden am Freitag voraussichtlich nicht mehr an den Brandort gelangen können, hieß es.

"Das Feuer war nur 50 Meter vom Reaktorkern entfernt", sagte Jochen Stay, Sprecher der Anti-Atom-Initiative X-tausendmal quer. Hätte es an anderer Stelle gebrannt, so wäre die Situation möglicherweise nicht mehr zu kontrollieren gewesen, so Stay. "Wir sind nicht bereit, darauf zu warten, bis uns das Restrisiko den Rest gibt."

Skeptisch macht die Atomkraftgegner auch die Informationspolitik des Betreibers Vattenfall. Der Energiekonzern hatte am Donnerstag behauptet, die Vorgänge in Krümmel hätten nichts mit der Schnellabschaltung in Brunsbüttel zu tun. Inzwischen musste Vattenfall einräumen, dass ein Zusammenhang nicht auszuschließen ist. Eine Falschmeldung war es auch, dass das Feuer bereits Donnerstagnachmittag gelöscht worden sei. Noch am Freitag hatte die Feuerwehr nicht alle Brandherde unter Kontrolle.

Vattenfall-Sprecher Johannes Altmeppen sagte, der Brand in Krümmel sei "offensichtlich" durch "einen Kurzschluss" entstanden, wodurch sich das "Kühlöl für die Trafostation" entzündet habe. Er wies Vorwürfe von Greenpeace zurück, wonach sich das Feuer in Krümmel über die Kabel bis in den Reaktorteil hinein hätte ausbreiten können. Diese Gefahr habe zu keinem Zeitpunkt bestanden.

Wie erst am Freitag bekannt wurde, war es nach der durch einen Kurzschluss bedingten Abschaltung im AKW Brunsbüttel am Donnerstag zu einem Schwelbrand an der Turbine gekommen. Durch ein Leck sei Öl ausgetreten und habe sich entzündet. Durch diesen Vorfall habe jedoch keine Gefahr für den Reaktor bestanden, sagte Rudolf Wieland vom TÜV Nord. Beim Herunterfahren des AKW seien zudem Risserweiterungen an Abdeckungen von Rohrleitungen festgestellt worden. Nach Angaben von Vattenfall-Sprecher Banek wurde der Schwelbrand von einem Mitarbeiter gelöscht.

Mit den Schnellabschaltungen in Brunsbüttel und Krümmel sind derzeit fünf der 17 deutschen AKW vom Netz, da Biblis A und B und ein Block in Gundremmingen wegen Reparaturen ebenfalls abgeschaltet sind. "Ohne Atomkraft gehen die Lichter nicht aus. Es gibt genug Überkapazitäten", stellte Dirk Seifert, Energiereferent der Umweltschutzorganisation Robin Wood fest. Mit Blick auf den bevorstehenden Energie-Gipfel am kommen Dienstag in Berlin betonte Seifert: "Die Forderungen der AKW-Betreiber nach Laufzeitverlängerungen für die Altreaktoren sind überflüssig und ein gefährliches Spiel mit dem Feuer".

Schleswig-Holsteins für Reaktoraufsicht zuständige Sozialministerin Gitta Trauernicht (SPD) sprach von "Alterungsprozessen, die Gefahrenpotenziale beinhalten". Es werde "immer aufwändiger, die Sicherheit in diesen alten Reaktoren auch wirklich sicherzustellen". Sie gehe davon aus, dass Krümmel längere Zeit vom Netz bleiben werde. Brunsbüttel könne dagegen womöglich recht schnell wieder ans Netz gelangen.

Bundesumweltminister Sigmar Gabriel (SPD) betonte unterdessen, am Atomausstieg müsse vor allem aus Sicherheitsgründen festgehalten werden. "Mit Krümmel und Brunsbüttel haben wir ja gerade wieder erlebt, dass die deutschen Atomkraftwerke die sichersten der Welt sind, nur gelegentlich brennt's und knallt's mal", sagte der Minister sarkastisch. Grünen-Chef Reinhard Bütikofer wies eine Laufzeitverlängerung, wie von Unionspolitikern und Kraftwerksbetreibern angestrebt, als "politisch inakzeptabel" zurück.