Polizei soll vermummte Zivilbeamte als Provokateure eingesetzt haben

Mutmaßlicher Polizist der Polizei übergeben

Während sich die G8-Teilnehmer in Heiligendamm hinter verschlossenen Türen treffen, tobt draußen vor dem Sperrzaun ein verbissener Kampf. Sicherheitsbehörden und Demonstranten liefern sich nicht nur ein Katz-und-Maus-Spiel, sondern ringen sodann auch um die Deutungshoheit über das Geschehen bei den Protesten. Geht die Polizei zu brutal vor oder setzt sie gar Agents Provocateurs ein? Stand ein Sabotageakt unmittelbar bevor? Werden Zahlen von Verletzten manipuliert? Schwaden von Behauptungen und Gerüchten umziehen den Gipfel. Die Wahrheit ist nicht klar auszumachen. Manchmal allerdings scheinen Details eine deutliche Sprache zu sprechen. Der Anwaltliche Notdienst wirft der Polizei vor, Zivilbeamte als Provokateure eingesetzt haben.

Als Demonstranten vermummte Polizisten hätten versucht, andere Teilnehmer während der Blockadeaktionen in Heiligendamm zu aggressivem Verhalten aufzustacheln. Diesen Vorwurf erhebt der Anwaltliche Notdienst, der Demonstranten rechtlichen Beistand leistet. Am 6. Juni sei eine Gruppe von vier, fünf schwarz gekleideten Männern aufgefallen, die sich gegenüber der Polizei sehr aggressiv verhalten hätten.

Als Ordner der Veranstalter von Block G8 die Männer nach ihrer Herkunft und Identität befragt hätten, seien diese geflohen. Einer sei jedoch von Demonstranten festgehalten und als Zivilpolizist erkannt worden.

Mitglieder des Anwaltlichen Notdienstes RAV hätten entschieden, den Mann der Polizei zu übergeben. Die Beamten hätten ihn ohne Kommentar übernommen. RAV-Sprecher Martin Dolzor sagte, es sei unverantwortlich, einen Zivilpolizisten in eine Demonstration zu schicken. Das könne zu einer unvertretbaren Eskalation führen, warnte Dolzor.

Polizeisprecher: Mit solchen Mitteln arbeiten wir nicht

Setzen die Sicherheitsbehörden Agents Provocateurs ein? Bei der Polizei weist ein Sprecher Manfred Lütjann solche Vorwürfe strikt zurück: "Mit solchen Mitteln arbeiten wir nicht. Ein Aufheizen der Stimmung ist nicht das Ziel der Polizei."

Demonstranten: Der Mann ist von einigen Teilnehmern klar identifiziert worden

Die Demonstranten dagegen bleiben dabei: "Der Mann ist von einigen Teilnehmern klar identifiziert worden. Er wollte uns weder etwas über seine Herkunft noch zu seinen Personalien sagen", sagte Augenzeuge Henning Obens. Der Mann sei zur Polizeikette gebracht und dort Beamten übergeben worden. Die hätten ihn "wie selbstverständlich" aufgenommen.

Obens selbst kannte den Mann nicht, aber die Umstände stützten die Identifikation durch die Bremer Demonstranten. Der Verdächtigte habe sich auch deshalb verraten, weil er die Umstehenden mit "Sie" angesprochen habe. Obens: "Da muss die Polizei ihre Handbücher wohl mal aktualisieren. Bei uns duzt man sich. Wer das nicht weiß, gehört nicht dazu." Außerdem habe der Mann auffallend saubere Kleidung von der Stange getragen.

Brisant ist auch ein Vorwurf, den die zum Lager der G8-Kritiker gehörende Pressegruppe Campinski erhebt. Danach habe die Polizei bei ihrem Vorgehen gegen Demonstranten am vergangenen Samstag Wasserwerfer eingesetzt, deren Ladung Tränengas beigemischt gewesen sei. Dies hatten auch Presse-Fotografen vor Ort berichtet. Unter den G8-Kritikern kursieren Berichte, dass auch am Mittwoch wieder entsprechende Wasserwerfer im Einsatz waren. Bei der Polizei heißt es dazu, eine "Beimischung von Reizgas" gebe es nicht.