E.On-Chef Bernotat wirbt für Weiterbetrieb von Atomkraftwerken

"Nicht die Lösung aller Probleme"

Nach Ansicht des Vorstandsvorsitzenden des Energiekonzerns E.ON, Wulf Bernotat, kann die Atomenergie nur einen beschränkten Beitrag zur Sicherheit der weltweiten Energieversorgung leisten. "Weltweit ist die Kernenergie nicht die Lösung aller Probleme", sagte Bernotat der "Süddeutschen Zeitung". Sie erlaube es, Zeit zu gewinnen, bis andere Energieträger ausreichend zur Verfügung stehen. Gleichzeitig hoffe er, nach der nächsten Bundestagswahl auf eine andere politische Mehrheit im Deutschen Bundestag, die den Ausstieg aus dieser Energieerzeugung revidieren und den Weiterbetrieb der Atomkraftwerke ermöglichen würde, sagte Bernotat.

"Ob Kernenergie für Deutschland eine Übergangstechnologie ist, müssen wir heute nicht entscheiden. Das können wir immer noch in zehn bis 15 Jahren bewerten", sagte er.

Zugleich wehrte sich Bernotat gegen Forderungen, ältere Kernkraftwerke früher abzuschalten als bislang geplant. "Ein altes Kraftwerk ist nicht per se weniger sicher als ein neues", sagte er. "Es gibt unter Sicherheitsaspekten einfach keinen Unterschied zwischen alt und neu, da können Sie die Atomaufsicht fragen." Wenn es anders wäre, müssten diese Meiler abgeschaltet werden.

Bernotat warf der Bundesregierung vor, sie verstehe Energiepolitik nur als Mittel zum Klimaschutz. "Wir fördern in Deutschland zum Beispiel die Solarenergie mit 50 Euro pro Kilowattstunde", behauptete der E.On-Chef. Hier werde mit viel Geld wenig erreicht. Würden dagegen Kohlekraftwerke in China oder Russland durch moderne Anlagen ersetzt, könne man mit dem gleichen Geld ein Vielfaches bewirken.

Die Vorgabe des Bundesumweltministers, den Ausstoß des klimaschädlichen Gases Kohlendioxid bis zum Jahr 2020 um 40 Prozent zu senken, halte er für nicht realistisch, sagte Bernotat.

Deutsches Atomforum kritisiert Bundesamt für Strahlenschutz

Das Deutsche Atomforum kritisierte die Aussage des Bundesamtes für Strahlenschutz, ältere Nuklearanlagen seien heute nicht mehr genehmigungsfähig. Dieser Schluss sei nicht zulässig, sagte der Sprecher des Atomforums, Bernd Arts, der in Erfurt erscheinenden "Thüringer Allgemeinen". Statistiken belegten, dass ältere Anlagen ähnlich abschnitten wie neuere.

Bundesumweltminister Sigmar Gabriel (SPD) hatte zuvor gefordert, ältere Atomkraftwerke schneller abzuschalten, als im Atomausstiegsgesetz vorgesehen. Arts sagte dagegen: "Alle Anlagen, die am Netz sind, verfügen über gültige Betriebgenehmigungen." Wenn die Aufsichtsbehörden der Meinung seien, die Anlagen erfüllten diese Anforderungen nicht, müssten sie über die Betriebsgenehmigung nachdenken.

Angesichts der Brände und weiterer Zwischenfälle in den Atomkraftwerken Krümmel und Brunsbüttel könne zudem nicht von Pannen gesprochen werden, sondern von "meldepflichtigen Ereignissen", sagte Arts. Diese würden eingruppiert und fielen auf der International Nuclear Event Scale (Ines) überwiegend in die unterste Kategorie. Die Sicherheit der Anlagen sei nie im Ansatz gefährdet gewesen.