Greenpeace kritisiert Vernebelungskonzept für Atomkraftwerke

"Schein-Sicherheit für die Öffentlichkeit"

Die "künstliche Vernebelung" von Atomkraftwerken bietet nach Auffassung der Umweltschutzorganisation Greenpeace keinen ausreichenden Schutz vor Terrorangriffen aus der Luft. "Das Risiko für die Bevölkerung wird bei einem Anschlag nicht verringert." Zu diesem Ergebnis kommt eine am 3. August veröffentlichte Studie im Auftrag der Umweltorganisation Greenpeace. In Kürze soll den Angaben zufolge am Atomkraftwerk Grohnde des Energieversorgers E.on eine Pilotanlage mit Nebelgranaten zur Abwehr von Angriffen aus der Luft bestückt werden. "Das Vernebelungskonzept der Kraftwerksbetreiber erhöht nicht die Sicherheit, sondern ist nur der Versuch, eine Schein-Sicherheit aufzubauen, die die Akzeptanz der Atomenergie in der Bevölkerung erhöhen soll", meint Heinz Smital von Greenpeace.

Nach Auffassung der Organisation geben die Betreiber mit der Installation der Vernebelungseinrichtungen "nun die Terrorgefahr offiziell zu, die sie bis jetzt immer verschwiegen hatten". Auf der einen Seite gestehe man ein großes Terrorrisiko von Atomkraftwerken ein, ohne aber auf der anderen Seite "eine ernsthafte Lösung anzubieten", kritisiert Smital.

Ein Alternativkonzept sehe beispielsweise Schutzstrukturen rund um das Atomkraftwerk aus drei bis fünf Meter dicken Stahlbetonwänden und einem zusätzlichen Stahlnetz über der Kuppel vor. Trotz der dabei höheren Sicherheit favorisierten die Betreiber aber "das billigere Vernebelungskonzept".

Die einzig richtige Antwort auf die Bedrohung durch Terrorangriffe oder Sabotageakte kann nach Auffassung von Greenpeace nur die Abschaltung und endgültige Stilllegung der Atommeiler sein.

Keine der 17 in Deutschland betriebenen Atomkraftwerke ist laut Greenpeace gegen einen bewusst herbeigeführten Absturz eines Verkehrsflugzeuges geschützt. Eine nachträgliche Verstärkung der Reaktorhülle sei aber nicht möglich. Die Kraftwerke Biblis A, Brunsbüttel und Philippsburg 1 seien sogar nur für den Absturz eines Sportflugzeuges ausgelegt.

Nach "den Terroranschlägen vom 11. September 2001" hätten die Betreiber der deutschen Atomkraftwerke im Juni 2003 ein Konzept zur künstlichen Vernebelung der Anlagen bei einem Terrorangriff vorgelegt. Dieses Konzept sei im Frühjahr 2004 vom Bundesministerium für Naturschutz und Reaktorsicherheit als "nicht ausreichend" zurückgewiesen worden, die Betreiber seien zu "Nachbesserungen" aufgefordert worden.

Die Greenpeace-Studie führt mehrere Kritikpunkte an dem Sicherheitskonzept auf. So werde die aus dem militärischen Bereich stammende Vernebelungstaktik dort ursprünglich nur für bewegliche Ziele verwendet. "Auch könnte die bewusste Auslösung der Einnebelung sogar von Terroristen genutzt werden, um die entstehende unübersichtliche Situation für einen gezielten Angriff am Boden zu nutzen."

"Ein Terrorangriff mit dem Flugzeug auf ein Atomkraftwerk kann zur nationalen Katastrophe werden", fürchtet die Organisation. Die freigesetzte Menge radioaktiver Schadstoffe könne durch den Qualm des brennenden Kerosin weit verbreitet werden.