Barschel-Buch darf nicht privat veröffentlicht werden

Mordtheorie

Der Leiter der Lübecker Staatsanwaltschaft, Heinrich Wille, darf weiterhin kein Buch über den Tod des früheren schleswig-holsteinischen Ministerpräsidenten Uwe Barschel (CDU) veröffentlichen. Das Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe habe einen Antrag von Wille auf eine private Buchveröffentlichung über das "Barschel-Verfahren" zurückgewiesen, teilte Schleswig-Holsteins Generalstaatsanwalt Erhard Rex am Donnerstag in Schleswig mit. Zuvor hatten bereits das Verwaltungsgericht und das Oberverwaltungsgericht Schleswig entsprechende Anträge zurückgewiesen.

Hintergrund ist eine von Wille eingereichte Klage gegen die Unterlassungsverfügung von Generalstaatsanwalt Rex. Dieser hatte dem Behördenleiter die Veröffentlichung in einem kommerziellen Verlag untersagt, weil dies seiner Ansicht nach einer Dienstpflichtverletzung gleichkäme.

Stattdessen hatte er Wille, der als Vater der Mordtheorie gilt, eine Veröffentlichung in der kostenlos erhältlichen Schriftenreihe des Generalstaatsanwalts angeboten. Rex ist Anhänger der Selbstmordtheorie.

Barschel war am 11. Oktober 1987 in der Badewanne seines Zimmers im Genfer Hotel "Beau Rivage" tot aufgefunden worden. Seitdem gibt es einen Streit um die Frage, ob der 43-Jährige Selbstmord beging oder ermordet wurde. Reporter des Magazins "Stern" hatten Barschels Leichnam in Genf entdeckt und fotografiert.