Entführung der "Landshut" war für Ex-RAF-Terrorist Verrat

Volk angegriffen

Der ehemalige RAF-Terrorist Karl-Heinz Dellwo hat seinem ehemaligen Mitkämpfer Rolf Clemens Wagner widersprochen, der die Entführung des Arbeitgeberpräsidenten Hanns Martin Schleyer 1977 jüngst gerechtfertigt hatte. Nach dem Ende des Vietnamkriegs 1975 sei "die Legitimitätsgrundlage des bewaffneten Kampfes mehr als prekär" gewesen, sagte Dellwo der "Frankfurter Rundschau". "Es gab nur noch die Begründung, dass die politischen Gefangenen als Fundamentalopposition vernichtet werden sollen. Aber als Revolutionsstrategie war die RAF nicht mehr legitim", sagte der heutige Dokumentarfilmer Dellwo.

Die Entführung der "Landshut" nannte er "Verrat an dem, für das die RAF früher stand". Hier sei das Volk angegriffen worden. Den bewaffneten Kampf bis 1975 bezeichnete Dellwo als "im damaligen Klima plausibel. Die RAF war als Antwort auf den Kriegsimperialismus, der sich in Vietnam austobte, auch in gewisser Weise legitim".

Dellwo stieß Mitte der 70er Jahre zur RAF. Nach der Besetzung der deutschen Botschaft in Stockholm 1975 wurde er zu lebenslanger Freiheitsstrafe verurteilt. 1995 kam er frei. Seither arbeitet er als Domumentarfilmer in Hamburg.

Wagner hatte in der Zeitung "Junge Welt" die Entführung des später ermordeten Arbeitgeberpräsidenten Schleyer "aus heutiger Sicht" als richtig bezeichnet. Die Äußerung löste über alle Parteigrenzen hinweg Empörung aus.