Merkel will "strategische Partnerschaft" zu Indien ausbauen

BASF fordert Abbau von Hemmnissen

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) strebt einen Ausbau der Beziehungen zwischen Deutschland und Indien auf breiter Front an. Ihr Besuch in Indien solle dazu beitragen, die "strategische Partnerschaft" zwischen beiden Ländern zu intensivieren, sagte Merkel am 20. Oktober in Neu-Delhi. Merkel ermunterte zugleich indische Unternehmen zu Investitionen in Deutschland.

Nach der Begrüßung durch Indiens Premier Manmohan Singh legte Merkel an der Einäscherungsstätte von Mahatma Gandhi, den Führer der indischen Unabhängigkeitsbewegung und Prediger der Gewaltfreiheit, einen Kranz nieder und trug sich in das Gästebuch der Stätte ein.

Anschließend schickten Merkel und Singh einen "Wissenschaftszug" auf die Reise durch Indien. Als rollende Ausstellung soll er bis Sommer 2008 Menschen in 56 indischen Städten wissenschaftliche Themen nahebringen.

Merkel hob auf einem Wirtschaftsforum hervor, die Beziehungen zwischen beiden Ländern seien "keine Schmalspurstrecke". "Ich finde offene Türen für uns vor", sagte die Kanzlerin. Das Potenzial sei noch nicht ausgeschöpft. Mit Singh verständigte sich Merkel auf das Ziel, das bilaterale Handelsvolumen bis 2012 auf 20 Milliarden Euro im Jahr zu verdoppeln.

Kanzlerin und BASF kritisieren "bürokratische Hemmnisse" für Investitionen in Indien

Die Kanzlerin mahnte zugleich einen Abbau von bürokratischen Hemmnissen für Investitionen in Indien an. Der Forderung schloss sich BASF-Chef Jürgen Hambrecht an. Zugleich sah der Vorsitzende des Asien-Pazifik-Ausschusses (APA) der deutschen Wirtschaft großes Potenzial für deutsche Firmen in Indien: "Das Land der Ideen trifft das Land der Chancen", sagte Hambrecht.

Merkel betonte das Interesse der deutschen Wirtschaft, sich beim Ausbau von Straßen- und Schienennetz sowie im Bank- und Versicherungssektor zu engagieren.

Merkel rief zudem indische Firmen auf, in Deutschland zu investieren. "Fühlen Sie sich in Deutschland willkommen", sagte sie. Deutschland sei ein "wirklich offenes Land". Bislang haben hier etwa 240 indische Firmen vor allem in die Bereiche Informationstechnologien, Pharma und Autozulieferer investiert. Umgekehrt haben rund 2000 deutsche Firmen Joint-Ventures mit indischen Partnern gegründet.

Ein wichtiger Partner sei Indien für Deutschland auch beim Klimaschutz, unterstrich die amtierende G8-Präsidentin weiter. Indien messe dem Thema eine große Aufmerksamkeit bei und habe den großen Wunsch zu Kooperationen bei Technologien, Energieeffizienz und erneuerbaren Energien. Merkel hatte im Sommer den Vorstoß von Singh aufgegriffen, der beim Klimaschutz eine Orientierung am Pro-Kopf-Ausstoß angeregt hatte.

Die Kanzlerin betonte nicht zuletzt die große Rolle Indiens bei der "Lösung" regionaler Konflikte in Asien. Mit Indiens Außenminister Pranab Mukherjee sprach die Kanzlerin über die Lage in Birma. Gemeinsam sei man der Ansicht, dass dort politische Gefangene freigelassen werden müssten und dass Birma "vorbehaltlos" mit der UNO zusammenarbeiten sowie einen "ernsthaften friedlichen Reformweg" einschlagen sollte.

Neben Singh und Mukherjee traf sich Merkel auch mit Staatspräsidentin Pratibha Patil und Kongress-Parteichefin Sonia Gandhi. Thema der Unterredung mit Singh war auch die Reform des UN-Sicherheitsrates. Merkel betonte das vehemente Interesse beider Länder zur Übernahme eines ständigen Sitzes im Sicherheitsrat. Vertreter beider Seiten unterzeichneten ferner mehrere Verträge zur Zusammenarbeit in den Bereichen Wissenschaft, Post und Patentwesen sowie zum Geheimnisschutz.