Beckstein würdigt Garchinger "Atom-Ei"

Forschungsreaktor

Bayerns Ministerpräsident Günther Beckstein (CSU) hat die Inbetriebnahme des atomaren Forschungsreaktors in Garching bei München am 31. Oktober 1957 als "Meilenstein für den Wissenschafts- und Wirtschaftsstandort" bezeichnet. Bayern habe in Garching "inmitten von Kartoffelfeldern" den Grundstein für ein weltweit hoch angesehenes Forschungszentrum gelegt, sagte er bei einem Festakt zum 50-jährigen Bestehen der Anlage am Mittwoch. Die Ideen und Entdeckungen des Zentrums würden von vielen Forschungseinrichtungen und Hochtechnologieunternehmen erfolgreich genutzt. Die Forschungseinrichtung war immer wieder wegen des Einsatzes hochangereicherten, waffenfähigen Urans kritisiert worden.

Die Stärke Garchings liegt nach Ansicht Becksteins auch in der engen Vernetzung für die industrielle Nutzung. Er kündigte an, dass der Freistaat das Netzwerk von Forschung, Wissenschaft und Industrie am Standort Garching weiter ausbauen werde.

TU-Präsident Wolfgang Herrmann sagte, die Garchinger Neutronenquelle arbeite mit der größten Einsatzbreite, "von der zerstörungsfreien Werkstofftomografie über die Silizium-Halbleiterdotierung bis zur Aufklärung biomolekularer Strukturen und zur Radiopharmazie sowie Medizin". Mit 40 Prozent Nutzeranteil durch Forscher aus dem Ausland übertreffe der Forschungsreaktor München II (FRM II) die Planungen.

Vor 50 Jahren war das sogenannte Garchinger Atom-Ei als erste kerntechnische Anlage in Deutschland in Betrieb gegangen. Teile der damaligen Bundesregierung waren offenbar an einer Entwicklung von Atomwaffen interessiert. 2000 wurde die Anlage abgeschaltet. Nach jahrelangem politischem Streit startete 2004 der Atomreaktor FRM II als Nachfolger.