Hanau wehrt sich gegen Atommülllager

Atom-Image los werden

An den Hinterlassenschaften der Atomenergie - dem Atommüll - hat offenbar niemand Interesse. Selbst die CDU nicht. Im Rechtsstreit um den Bau eines Lagers für mittel- und schwachradioaktive Abfälle ist nun die Stadt Hanau in erster Instanz unterlegen. Das Verwaltungsgericht Frankfurt am Main gab am 14. November einer Klage des Bauherrn, der Firma Nuclear Cargo + Service (NCS), statt. Das ehemals zur Deutschen Bahn gehörende und auf den Transport von radioaktiven Stoffen spezialisierte Unternehmen war vor Gericht gezogen, weil die Stadt die Errichtung des Lagers im Hanauer Stadtteil Wolfgang nicht genehmigen wollte.

Hanau versucht seit Jahren, sein Atom-Image los zu werden. Im Stadtteil Wolfgang wurden von 1969 bis 1995 uranhaltige Brennelemente und Zwischenprodukte für in- und ausländische Kernreaktoren hergestellt. Das brachte Hanau immer wieder negativ bundesweit in die Schlagzeilen.

Die Entscheidung des Frankfurter Gerichts vom 14. November wertete die Stadt als "Rückschlag". Gemäß eines einstimmigen Stadtverordnetenbeschlusses vom vergangenen Jahr, der den Magistrat beauftragte, "alle Möglichkeiten auszuschöpfen", werde man jetzt zunächst den Antrag auf Zulassung der Berufung beim Hessische Verwaltungsgerichtshof in Kassel stellen.

An der entschiedenen Haltung gegen das von der NCS geplante Lager habe sich nichts verändert, so Wirtschaftsdezernent Dr. Ralf-Rainer Piesold. Die Entscheidung des Gerichts stelle "einen massiven Eingriff in die Planungshoheit der Stadt Hanau dar".