Contergangeschädigte demonstrieren für mehr finanzielle Hilfe

"Unternehmen Grünenthal stiehlt sich aus Verantwortung"

Mit einem Protestzug haben Geschädigte des Arzneimittels Contergan am 25. November in Berlin auf ihr Schicksal aufmerksam gemacht und mehr finanzielle Unterstützung gefordert. Die Versorgung der Opfer mit Entschädigungen ist nach Einschätzung des Bundesverbandes Contergangeschädigter "unzureichend". Die Politik müsse helfen, eine "umgehende und angemessene Lösung" für den Arzneimittel-Skandal zu finden, forderte der Verband.

Symbolhaft rollten die Contergangeschädigten am 25. November in Berlin einen "Grünen Taler" durch die Hauptstadt. Die 2,50 Meter große, leuchtend grüne Skulptur beförderten sie vom Holocaust-Mahnmal vorbei am Brandenburger Tor zum Reichstag. Der Entwurf der Skulptur stammt von dem Aachener Künstler Rolf Jägersberg.

Der Titel "Grüner Taler" solle auf den Namen des ehemaligen Contergan-Herstellers Grünenthal hinweisen, sagte er. Auf der überdimensionalen Münze waren das Piktogramm eines Contergangeschädigten und der französische Schriftzug "J'accuse" ("Ich klage an") zu sehen.

"Wir wollen wieder etwas ins Rollen bringen", sagte Jägersberg. Die Diskussion um den Contergan-Skandal werde in Deutschland "total vernachlässigt". Das Unternehmen Grünenthal stehle sich aus seiner Verantwortung, und die Opfer würden seit Jahren mit staatlichen Versorgungszahlungen von wenigen Hundert Euro monatlich abgespeist, kritisierte der Künstler.

Der Contergan-Skandal war einer der größten Arzneimittel-Skandale Deutschlands. Das Beruhigungsmittel kam 1957 auf den Markt und verursachte Missbildungen bei Neugeborenen. 1961 wurde das Schlafmittel nach öffentlichem Druck vom Markt genommen. Nach Verbandsangaben kamen in Deutschland etwa 5000 contergangeschädigte Kinder zur Welt.