Kanzleramtschef attackiert Wirtschaftsverbände

Ständig wechselnde Auffassungen

Kanzleramtschef Thomas de Maizière (CDU) übte scharfe Kritik an den Wirtschaftsverbänden. "Was mich wirklich stört, sind die ständig wechselnden Auffassungen zu ein und demselben Thema", sagte de Maizière (CDU) dem "Handelsblatt". Als Beispiel für die wechselnde Positionierung der Verbände nannte de Maizière etwa die Reform der Unternehmens- und der Erbschaftssteuer. "Schon wegen dieser sich ändernden Meinungen fällt es mir schwer, eigenes Handeln hiervon abhängig zu machen." Zu behaupten, die Bundesregierung als Ganzes oder die Union handelten gegen die Interessen der deutschen Wirtschaft, sei "grundfalsch", sagte de Maizière.

"Manche glauben, es gebe eine natürliche Lagerbildung zwischen Union und Wirtschaftsverbänden", so de Maizière. "Das sehe ich nicht". Seine Grundphilosophie sei, eine "gewisse persönliche und inhaltliche Unabhängigkeit" zu wahren.

Zugleich verteidigte der Kanzleramtschef die Kritik an überzogenen Managerabfindungen. "Die Grundakzeptanz der sozialen Marktwirtschaft sinkt eher, als dass sie steigt." Die soziale Marktwirtschaft müsse deshalb gelebt werden.

"Es geht um nicht mehr und weniger als um den Missbrauch von Einfluss und Macht." Menschen in Verantwortung hätten Vorbildfunktion. Dies gelte nicht nur für Manager oder Politiker, sondern auch für Sportler und Künstler.