Klimaschutz durch Kernkraft laut Gabriel nicht machbar

Militärische Nutzung

Bundesumweltminister Sigmar Gabriel (SPD) sieht in der Kernkraftnutzung kein großes Potenzial für den Klimaschutz. Atomstrom könne nur vier Prozentpunkte zur Kohlendioxidminderung beitragen, sagte Gabriel der "Passauer Neuen Presse". Nötig seien aber 40 Prozentpunkte. Zudem warnte er davor, die Atomtechnik als "Königsweg" anzupreisen. "Das hören im Zweifelsfall auch energiehungrige, aber politisch wenig berechenbare Entwicklungs- und Schwellenländer. Die Grenze zwischen der rein zivilen und der militärischen Nutzung der Atomtechnik zu ziehen, ist sehr schwer", sagte Gabriel.

Der Umweltminister sprach sich erneut für neue Kohlekraftwerke aus. Wegen der ab 2013 schärfer werdenden Regeln des Emissionshandels lohne sich ihr Betrieb mittelfristig aber nur dann, wenn sie das produzierte Kohlendioxid abscheiden könnten oder über die besonders energieeffiziente Kraft-Wärme-Kopplung verfügten, bei der Strom und Wärme produziert wird.

Bei den von den Energiekonzernen geplanten großen Kohlekraftwerken werden meist nur Wirkungsgrade von etwa 46 Prozent erreicht. Von der Effizienz echter Kraft-Wärme-Kopplungsanlagen, beispielsweise auch auf Basis erneuerbaren Energien, ist dieser Wirkungsrad weit entfernt: Die dezentralen Kleinanlagen erreichen Wirkungsgrade von teilweise über 90 Prozent. Umweltschützer betrachten es vor diesem Hintergrund als grobe Täuschung der Öffentlichkeit, den Großkraftwerken das Attribut "hocheffizient" anzuhaften.