Warnung vor "Industrialisierung und Amerikanisierung der Gesundheitsversorgung"

Praxisschließungen

Der Verband der Freien Ärzteschaft hat erneut seinen Aufruf zu vorübergehenden Praxisschließungen in der Woche nach Ostern aus Protest gegen die Gesundheitspolitik begründet. Mit der Aktion wolle man "darauf aufmerksam machen", dass in Deutschland "eine Industrialisierung und Amerikanisierung der Gesundheitsversorgung" bevorstehe, sagte der Präsident der Freien Ärzteschaft, Martin Grauduszus, am 25. März im Nachrichtensender n-tv. Die Gesundheitsversorgung werde "für die Patienten viel teurer werden, die Arztpraxen werden reihenweise verschwinden, die Versorgung wird anonym in medizinischen Versorgungszentren an Kliniken durchgeführt werden", sagte Grauduszus.

Die Freie Ärzteschaft hatte am 18. März die niedergelassenen Ärzte dazu aufgerufen, ihre Praxen in der Woche nach Ostern bis einschließlich Freitag zu schließen, um so gegen die Gesundheitspolitik zu protestieren.

Grauduszus: Politik und Konzerne verfolgen offenbar einen Generalstabsplan

Grauduszus hatte kritisiert, die Arztpraxen würden von der Politik "gezielt ausgehungert". Mit den vorübergehenden Praxisschließungen wolle man einen kleinen Vorgeschmack darauf geben, was passiere, "wenn eines der besten Gesundheitssysteme der Welt mutwillig zerschlagen wird", so Grauduszus.

"Politik und Konzerne verfolgen offenbar einen Generalstabsplan", vermutet der Verbandspräsident. "Ziel ist es, die gesamte Versorgung in Kliniken und an diese angeschlossene Versorgungszentren zu verlegen." Aus sozialer Verantwortung geschehe das nicht: "Man spricht bei den Klinikkonzernen offen darüber, den Umsatz in naher Zukunft zu verdoppeln. Bezahlen muss das dann der Bürger über noch höhere Beiträge", so Grauduszus. "Wenn wir die Gesundheits-Heuschrecken gewähren lassen, wird eine unpersönliche Zwei-Klassen-Medizin wie in den USA die Folge sein. Viele Bürger werden sich noch höhere Kassenbeiträge nicht mehr leisten können und gar keine Versorgung mehr erhalten."

"Ärzte werden gezielt ausgehungert, um sie zur Aufgabe zu zwingen"

Bei diesem Ziel seien die Ärzte mit ihren Praxen im Weg, die bislang 90 Prozent der medizinischen Versorgung sicherstellten. Sie würden gezielt ausgehungert, um sie zur Aufgabe zu zwingen: "Für viele von uns Ärzten bedeutet dies den Verlust der Existenz", so Grauduszus. "Für die Patienten hießt das Wartelistenmedizin wie in England und den Niederlanden, wo die Patienten monatelang auf wichtige Untersuchungen warten müssen."

"Auch manche Kassen sind der Ansicht, dass Ärzte überflüssig sind. Sie bauen Call - Center auf, die den Arztbesuch ersetzen sollen", kristiert der Präsident der niedergelassenen Ärzte. "Das wird Opfer geben", meint Grauduszus. Wer wissen wolle, wohin der Hase laufe, solle sich den Film "Sicko" von Michael Moore ansehen.