Bürgerprotest gegen die Erweiterung des Kohle-Großkraftwerks Mannheim

12 statt 8 Millionen Tonnen CO2

Umweltschützer der Rhein-Neckar-Region wollen den Neubau eines Kohlekraftwerks in Mannheim verhindern. Anlass für die Kampagne der Initiative Klima + Energie Mannheim (ikema) ist der Beschluss des Aufsichtsrats der Großkraftwerk Mannheim AG (GKM) vom 14. Dezember 2007, einen zusätzlichen Steinkohleblock auf dem Kraftwerksgelände in Mannheim-Neckarau zu bauen. Die Umweltschützer kritisieren, dass mit dem neuen 900-Megawatt-Kraftwerksblock die Kraftwerkskapazität um 50 Prozent auf 2200 Megawatt erhöht werden solle. Der Kohlendioxidausstoß würde den Angaben zufolge von 8 auf 12 Millionen Tonnen pro Jahr ansteigen. Zudem sei "Block 9" für die Fernwärmeversorgung in Mannheim nicht erforderlich, wie ein Vorstandsmitglied des Unternehmens öffentlich eingeräumt habe. Statt eines neuen Kohlekraftwerks fordern die Umweltschützer eine Energiewende in Mannheim. Ihr Argument: "Effiziente Energienutzung, Energiesparen und der Einsatz erneuerbarer Energien schaffen Arbeitsplätze und stärken die Region."

Die Initiative, die unter anderem getragen wird von der AntiAtom Gruppe Mannheim, attac Mannheim/Heidelberg, dem BUND Rhein-Neckar-Odenwald, Greenpeace Rhein-Neckar, der Klima-Aktions-Gruppe Heidelberg sowie von MetropolSolar Rhein-Neckar will alle möglichen Formen der Öffentlichkeitsarbeit nutzen, um die Stimmung in der Arbeiterstadt zu kippen. Schließlich stehen die Gewerkschaften hinter dem Vorhaben, das Kohlekraftwerk zu erweitern, in der Hoffnung auf den Erhalt von Arbeitsplätzen.

Umweltschützer rufen zum Boykott der MVV auf

Um den Druck auf die Verantwortlichen zu erhöhen, rufen die Umweltschützer zu einem Boykott der ehemaligen Stadtwerke MVV auf, die an den Neubauplanungen beteiligt seien. "Die Konzernchefs müssen auch finanziell spüren, dass die Bevölkerung in Mannheim den Kraftwerksneubau ablehnt", so Daniel Bannasch, Geschäftsführer von MetropolSolar Rhein-Neckar.

Die Stromkunden der MVV sollen an den Infoständen der Kohle-Gegner dazu gebracht werden, zu Ökostromanbietern zu wechseln. "Ähnliche Aktionen und öffentlicher Druck haben bei den Protesten gegen ein Kohlekraftwerk in Bremen Wirkung gezeigt, die Planungen wurden mangels Wirtschaftlichkeit und wegen wachsender Kritik auf Eis gelegt", so Bannasch. An jedem zweiten Samstag soll es in Mannheim einen Infostand geben, um den Wechsel zu Ökostrom-Anbietern zu aktivieren.

Die Umweltschützer prüfen auch rechtliche Schritte. "Wir lassen alle Möglichkeiten genauestens untersuchen", so Jochen Magerfleisch von Attac. "An den im letzten Jahr gescheiterten Standorten kamen bisher ganz unterschiedliche rechtliche Schritte zum Einsatz, von massenhaften Einwendungen etwa in Mainz bis hin zum erfolgreichen Bürgerbegehren in Ensdorf."