Bahnspende für Gedenkzug wäre für Zentralrat der Juden ein "Ablasshandel"

Scharfe Kritik an Bahn-Chef Mehdorn

Im Streit um den "Zug der Erinnerung" ist der Deutschen Bahn am 14. April Antisemitismus vorgeworfen worden. Hintergrund ist das Angebot der Bahn, die Streckengebühren für den Gedenkzug, mit dem an die Deportationen im Dritten Reich erinnert wird, mit einer Geldspende von 100.000 Euro an jüdische Einrichtungen auszugleichen. "Dieser Mehdorn-Deal trägt antisemitische Züge", sagte Bundestagsvizepräsidentin Petra Pau (Linke). Sie warf Bahn-Chef Hartmut Mehdorn vor: "Er zockt eine Gedenk-Initiative ab und versucht zugleich, jüdische Organisationen zu bestechen." Auch der Zentralrat der Juden in Deutschland zeigte sich entrüstet und wies das Angebot zurück. Ein Sprecher der Bahn wollte die Vorwürfe zunächst nicht kommentieren.

Nach Angaben des Generalsekretärs des Zentralrates, Stephan Kramer, wollen weder jüdische Organisationen noch die Ausstellungsmacher das Geld annehmen. "Das sieht nach Ablasshandel aus", sagte Kramer. Schlimmer noch: Es lasse vermuten, dass man im Bahnvorstand glaube, "dass insbesondere die jüdischen Stimmen kaufbar wären mit 100.000 Euro". Damit bediene Mehdorn antisemitische Klischees, kritisierte Kramer. Der Bahnchef müsse sich fragen, ob das der richtige Weg sei, mit dem Thema umzugehen. "Wir wollen dieses Geld nicht, wir brauchen dieses Geld nicht, weder die jüdische Gemeinschaft noch die Ausstellung", sagte der Generalsekretär.

Der Sprecher der Initiative "Zug der Erinnerung", Hans-Rüdiger Minow, wollte sich dazu nicht äußern. Seinem Verein sei das Geld bisher nicht angeboten worden. Deshalb wolle er auch nichts dazu sagen, ob seine Initiative die Spende gegebenenfalls annehmen werde. Am 13. April hätten im Berliner Ostbahnhof rund 10.000 Menschen die Ausstellung besichtigt, für den 14. April rechnete er mit einer ähnlich hohen Zahl an Besuchern. "Bei uns steht das Gedenken im Vordergrund - und nicht die Auseinandersetzung mit der Deutschen Bahn", sagte Minow.

Die Bahn verlangt nach Angaben der Organisatoren für den "Zug der Erinnerung" hohe Streckengebühren. In den drei Waggons werden Fotos und Lebenszeugnisse von deportierten Kindern und Jugendlichen aus ganz Europa gezeigt. Am 14. April sollte die Dampflok den Ostbahnhof wieder verlassen, nächste Stationen sind die Berliner Bahnhöfe Lichtenberg, Schöneweide, Westhafen und Grunewald.

Einen Stopp am Berliner Hauptbahnhof hatte die Deutsche Bahn AG abgelehnt und als Begründung "verkehrstechnische Gründe" genannt. Der Zug startete am 8. November 2007 in Frankfurt am Main. Ziel ist die Gedenkstätte Auschwitz in Polen am 8. Mai.