Medien wollen weiterhin in die SPD hineinregieren

Kandidaten-Urwahl

In der SPD gibt es eigentlich keine nennenswerte Diskussion über eine Wahl des Kanzlerkandidaten durch eine Abstimmung der Parteimitglieder. Das Thema wurde von Medien und Meinungsforschungsinstituten aufgebracht. Alle Versuche der Partei, diese von außen aufgezwungene Diskussion zu beenden, wird von einigen Medien und Meinungsforschungsinstituten beflissen ignoriert. So wollen sie offenbar in die Partei hineinregieren und über die Wahl des Kanzlerkandidaten mitentscheiden. Am 2. April wurde nun erneut eine Umfrage von TNS Emnid im Auftrag der Zeitschrift "Vanity Fair" veröffentlicht. Demnach sollen 70 Prozent der Deutschen eine Urwahl des Kanzlerkandidaten befürworten. Von den SPD-Anhängern wären gar 77 Prozent der zu Wochenbeginn rund 1000 Befragten dafür, obwohl die Parteiführung einen Mitgliederentscheid ablehnt. Die Umfrageergebnisse mögen auch das Resultat einer intensiven Medienberichterstattung zu dem Thema sein. Seit Wochen schon läuft eine Medienkampagne, mit der offenkundig versucht wird, SPD-Chef Kurt Beck zum Rücktritt zu zwingen.

SPD-Fraktionschef Peter Struck sagte, es bleibe dabei, dass Beck Ende 2008 oder Anfang 2009 einen Vorschlag für die Kanzlerkandidatur unterbreite. Struck stärkte zugleich Beck den Rücken. Der Parteivorsitzende sei "unumstritten", sagte Struck der "Frankfurter Rundschau".

Die Kursänderung der SPD im Umgang mit der Linken war laut Struck kein Alleingang von Beck. Es sei vereinbart gewesen, darüber drei Tage nach der Hamburg-Wahl in der engeren Parteispitze zu beraten. "Dass es vorher rausgerutscht ist, bleibt ärgerlich", sagte Struck. Er betonte aber, die Kommunikation zwischen Beck, den drei Stellvertretern und ihm selbst sei "in Ordnung - so wie bisher".