Ypsilanti gegen Ausweitung des Niedriglohnsektors

"Deregulierter Arbeitsmarkt"

Die hessische SPD-Fraktionsvorsitzende Andrea Ypsilanti sprach sich am 24. April im Hessischen Landtag dafür aus, die Ausweitung des Niedriglohnsektors in Deutschland zu stoppen. "Wir können nicht tatenlos zusehen, wie Firmen darum konkurrieren, wer seinen Mitarbeitern den geringsten Lohn bezahlt", so Ypsilanti. Hintergrund ihres Vorstoßes ist die aktuelle Studie des Instituts Arbeit und Qualifikation der Universität Duisburg-Essen, wonach die Zahl der Niedriglöhner in den letzten zehn Jahren um 43 Prozent angewachsen sei und derzeit 6,5 Millionen Menschen für weniger als 9,13 Euro pro Stunde arbeiten müssten.

Ypsilanti bezweifelte die These, wonach Niedriglöhne nur ein Problem unqualifizierter Arbeitnehmer sei. So seien 25 Prozent der Beschäftigten mit einer abgeschlossenen Berufsausbildung "im Niedriglohnsektor angekommen, selbst sechs Prozent der Hochschulabsolventen dort gelandet".

"Es sind nicht vorrangig Probleme mangelnder Qualifikation oder Eignung, die Arbeitnehmer zwingen, zu niedrigsten Entgelten zu arbeiten", meint Ypsilanti. "Es sind die Bedingungen auf einem deregulierten Arbeitsmarkt, die zu Lohndumping führen und Arbeitnehmer zum Opfer des freien Spiels der Kräfte machen", kritisierte die SPD-Fraktionsvorsitzende.

Die SPD strebe an, dass Beschäftigte für ihre Arbeit einen Lohn erhielten, von dem sie auch leben könnten. Dies sei unter heutigen Bedingungen schon bei einem diskutierten Mindestlohn von 7,50 Euro pro Stunde nur schwer möglich. "Aber es wäre ein Anfang", so Ypsilanti. Die Politik müsse eingreifen, wenn Systeme aus dem Lot gerieten, wenn sich die Lohnspirale weiter und weiter nach unten drehe. Mit einem Mindestlohn könne eine Grenze nach unten gezogen werden.