Farhang spricht nach BND-Affäre von "Rufmord"

Das neue System in Afghanistan

Der vom Bundesnachrichtendienst (BND) ausspionierte afghanische Industrieminister Amin Farhang sieht durch die Aktion seinen Ruf zerstört. "Das ist ein Rufmord", sagte er am 28. April im Bayerischen Rundfunk und sprach von einem "Skandal". Er sei "zutiefst enttäuscht" darüber, dass einige Medien wahrscheinlich aufgrund von BND-Informationen behauptet hätten, dass er ein Agent der Taliban sei. "Ich habe doch lediglich dazu beigetragen, dass das neue System in Afghanistan auf den Beinen steht, und jetzt wollen gerade diese Leute gerade dieses System zerstören", sagte Farhang.

Der Industrieminister machte unter afghanischen Politikern nach der Spähaktion eine "allgemeine Angst" aus, vor allem bei denen, die wer er aus Deutschland gekommen seien. "Wir dachten nicht, dass die Weltgemeinschaft kommt, um das zu machen." Von den Spähangriffen hätten er und seine Mitarbeiter nichts bemerkt. Er wisse, dass BND-Agenten in Kabul seien. Mit den sonstigen Aktivitäten des BND hat Farhang offenbar kein Problem.

Farhang hoffte, dass die guten Beziehungen zwischen Afghanistan und der Bundesrepublik nicht gestört würden. Eine Reise nach Deutschland schloss er zunächst jedoch aus. "Dazu habe ich überhaupt keine Lust", sagte Farhang.

Der "Süddeutschen Zeitung" hatte der Minister gesagt: "Natürlich bin ich traurig und enttäuscht, aber keine Seite möchte, dass nun das deutsch-afghanische Verhältnis leidet." Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) habe ihn am 27. April angerufen und versichert, "dass Kabul was nicht wieder vorkommt".

In der Kabuler Regierung gebe es allerdings auch den Verdacht, dass dies kein Einzelfall gewesen sein könnte. "Die Unruhe ist groß, und es gibt bei vielen die Befürchtung, dass westliche Geheimdienste uns abhören", sagte Farhang dem Blatt.