Auch die Kluft zwischen reichen und armen Kinder wird offenbar größer

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In Deutschland leben offenbar zwei Drittel der Kinder von Alleinerziehenden mindestens ein Jahr lang in Armut. Jedes zehnte Kind, das nur bei seiner Mutter oder seinem Vater aufwächst, ist sogar dauerhaft arm, geht aus dem am 26. Mai in Berlin vorgestellten "UNICEF-Berichts zur Lage der Kinder in Deutschland" hervor. Der Studie zufolge zeigen 15 Prozent der Kinder zwischen 3 und 17 Jahren Anzeichen von Verhaltensauffälligkeit, 17 Prozent seien übergewichtig. Mit über 20 Prozent der 11- bis 17-Jährigen rauchen in Deutschland mehr Jugendliche als in jedem anderen Industrieland.

Im internationalen Vergleich der Industrienationen sei Deutschland trotz erheblicher Aufwendungen nur Mittelmaß, wenn es um darum gehe, eine verlässliche Lebensumwelt für Kinder zu schaffen und den Ausschluss von benachteiligten Kindern zu verhindern. Das selektive Bildungssystem trage zur Ungleichbehandlung bei, heißt es in der Studie weiter. Schwächere Schüler würden ausgegrenzt, die besseren Schüler wiederum nicht ausreichend gefördert.

Auffallend sei zudem, dass Kinder aus ausländischen Familien seltener einen Kindergarten besuchten, in Sonder- und Hauptschulen hingegen überrepräsentiert seien. 17 Prozent von ihnen verließen die Schule ohne Abschluss.

UNICEF fordert einen Perspektivwechsel für Kinder in Deutschland – weg von einem funktionalistischen Blick auf den Nutzwert von Kindern und hin zur Umsetzung der Rechte der Kinder und der Verbesserung ihrer individuellen Zukunftschancen.

Ebenso wichtig wie die materielle Versorgung sei es, "Eigenaktivität, Verantwortungsgefühl, und Konfliktfähigkeit von klein auf zu fördern", sagte der Vorstandschef der deutschen UNICEF-Sektion, Jürgen Heraeus, bei der Vorstellung des Berichts in Berlin.

Der Präsident des Sozialverbands VdK, Walter Hirrlinger, forderte angesichts der Zahlen eine Anhebung des "Hartz IV"-Regelsatzes für Kinder. Dieser müsse von 208 auf 250 Euro steigen, "damit betroffene Kinder nicht Gefahr laufen, dauerhaft ausgegrenzt zu werden", sagte Hirrlinger.