Sen fordert entschiedeneres Vorgehen gegen Fremdenfeindlichkeit

Eingeschränkter Familiennachzug

Anlässlich des bevorstehenden 15. Jahrestags des Brandanschlags von Solingen fordert das Zentrum für Türkeistudien (ZfT) ein entschiedeneres Vorgehen im Kampf gegen Fremdenfeindlichkeit. Dies müsse auch als selbstverständlicher Bestandteil von Integrationspolitik sein, sagte ZfT-Direktor Faruk Sen am 28. Mai in Essen. Bei dem Anschlag am 29. Mai 1993 hatten vier junge Anhänger der Solinger Neonazi-Szene das Haus der Familie Genc in Brand gesteckt. Fünf türkische Mädchen und Frauen zwischen 4 und 27 Jahren starben dadurch. 14 Menschen wurden so schwer verletzt, dass sie noch heute unter den Folgen leiden. Die Täter wurden zu Haftstrafen von 10 bis 15 Jahren verurteilt und sind inzwischen alle wieder auf freiem Fuß.

Aus Sicht von Sen muss "Glaubwürdigkeit in der Migrantencommunity" gewonnen werden, "indem man etwa Islam- und Integrationskonferenz dem Verdacht entzieht, nur auf Außenwirkung zu setzen".

Dies gelinge, wenn man sich "auch um die alltäglichen Fragen des Zusammenlebens kümmert, die die Menschen bewegen - nicht zuletzt der eingeschränkte Familiennachzug oder die Unmöglichkeit der doppelten Staatsangehörigkeit", sagte Sen.

Wenn die Politik signalisiere, dass sie sich um die Einwanderer kümmere und ihr deren Schicksal nicht gleichgültig ist, werde Fremdenfeindlichkeit in der Gesellschaft eine Legitimationsgrundlage entzogen.