"Die PARTEI" von Titanic-Chef Sonneborn tritt in Bayern bei der Landtagswahl an

"Wähler billig abfischen"

"Wähler billig abfischen" fasst Martin Sonneborn seine Aufgabe kurz und knapp zusammen. Der Chef des Satire-Magazins "Titanic" und Bundesvorsitzender der Partei "Die PARTEI" will in Bayern bei der Landtagswahl im Herbst antreten und damit im Freistaat für Furore sorgen. Sein Ziel: "Die einmalige Gelegenheit beim Schopf packen und die CSU auf 25 Prozent minus X drücken." Dazu ist ihm, wie er betont, jedes Mittel recht. In Bayern sieht er große Chancen, mit seiner Partei "das beste Ergebnis seit Kriegsende" zu erreichen. Schließlich spüre er, dass es im Freistaat ein "politisches Vakuum" gebe.

Einen überregional tätigen bayerischen Spitzenpolitiker könne er nämlich momentan nicht nennen. Aber das könne geändert werden. Das nötige Selbstbewusstsein hat Sonneborn mit seiner Mannschaft bereits bei der Bürgerschaftswahl in Hamburg getankt. "Dort haben wir einen klaren Auftrag vom Wähler bekommen, auch, wenn es nur 0,3 Prozent der Wähler waren", witzelt der Parteichef.

2004 gründete Sonneborn mit seinen "Titanic"-Mitstreitern die Partei, die sich als "Partei für Arbeit, Rechtsstaat, Tierschutz, Elitenförderung und basisdemokratische Initiative" versteht. Schon der Internet-Auftritt ist mit der nötigen Portion Satire versehen, die Sonneborns Markenzeichen darstellt. "Ich wollte nie etwas anderes machen", hebt er hervor. Er habe zwar Kommunikationswissenschaft studiert, aber nie Lust auf "ernsthafte Recherche und Faktensuche" verspürt. Die Satire sei für ihn "die bequemere Form der Tatsachendarstellung".

Nun hat er mit "Die PARTEI" ein weiteres Feld gefunden, in dem er sich austoben kann. "Wir sind billige Populisten", gesteht Sonneborn und fügt ernst hinzu: "Und stehen auch noch dazu." Daher ziehe er für sein Programm für die Landtagswahl im Herbst auch alle Themen an Land, die die Gemüter hierzulande erhitzten: Bierpreise, Managergehälter und das Nichtrauchergesetz.

"Wir suchen für Bayern noch populistische Wahlziele, die uns die Wähler zutreiben. Das machen schließlich alle Parteien so", ist sich Sonneborn sicher. Zum viel diskutierten Rauchverbot erklärt er, man werde in Anlehnung an Walter Ulbrichts Spruch "Niemand hat die Absicht, eine Mauer zu errichten" Plakate mit dem Spruch "Niemand hat die Absicht, das Rauchen zu erlauben - außer uns, 'Die PARTEI'", aufstellen. Frustrierten Kneipenwirten solle damit eine "neue politische Heimat" gegeben werden.

Auch in die alljährliche Diskussion um die Bierpreise auf dem Münchner Oktoberfest wagt sich die Partei heran. "Wir fordern einen maximalen Bierpreis von 5 Euro", betont Sonneborn und ist sich sicher: "Dadurch, dass mit der CSU 8 Euro zu machen sind, haben wir gute Karten, hierdurch Wähler zu gewinnen."

Ein weiteres Thema, mit dem Sonneborn auf Wählerfang geht, ist die Debatte um die Gehälter von Managern. "Wir fordern, die Managergehälter auf das 25 000-fache eines Arbeiterlohns zu reduzieren - zuzüglich Abfindung versteht sich", erklärt der Partei-Chef.

Ein Ziel hat "Die PARTEI" bereits erreicht: Mit 6000 Mitgliedern bundesweit hat sie mehr Mitglieder gewinnen können als die NPD. Auch in Bayern ist der Zustrom "beachtlich". "Das haben wir nach etlichen Propagandaauftritten in diversen Universitäten geschafft", sagt Sonneborn mit ironischem Stolz. 80 Mitglieder seien aktiv, weitere würden angeheuert. Die Partei hat auf jeden Fall Großes vor. Dass sie Erfolg haben wird, ist sich Sonneborn sicher. "Die PARTEI" sei schließlich "humanistisch, links, oppositionell" und zudem die "einzige moralische Instanz im Land".