Atomkritiker erinnern an Dampfleckage im deutschen Atomkraftwerk Neckarwestheim

"Es hätte zum Super-GAU kommen können"

Anlässlich der Leckage im slowenischen Atomkraftwerk Krsko vom 4. Juni erinnerte die atomkritische Ärzteorganisation IPPNW daran, dass es am 18. Dezember 2003 im jüngsten deutschen Atomkraftwerk, Neckarwestheim-2, zu einer Dampfleckage in der Deckelentlüftungsleitung des Reaktordruckbehälters gekommen ist. Die Gesellschaft für Anlagen- und Reaktorsicherheit (GRS) habe nach dem Vorfall feststellt, "dass bei einem Abriss der Leitung direkt oberhalb des Reaktordruckbehälterdeckels eine nicht absperrbare Primärkreisleckage mit Anforderungen von Sicherheitseinrichtungen entstanden wäre". Das Leck hätte laut IPPNW mit einem Leckquerschnitt von knapp 5 Quadratzentimeter dann eine Größe gehabt, bei der der Druck im Primärkreis erwartungsgemäß hoch bleibt und selbst die Hochdruck-Pumpen nicht einspeisen können. Es hätte offenbar zum Super-GAU kommen können.

Nach einem Hochdruckversagen der Notkühlung käme zwar grundsätzlich als Notfallmaßnahme die "Primärseitige Druckentlastung und Bespeisung (PDE)" in Betracht so, die IPPNW. Doch gehe die GRS davon aus, dass in den "modernen" Konvoi-Anlagen wie Neckarwestheim-2 diese Notfallmaßnahme in der kurzen, zur Verfügung stehenden Zeit nicht durchführbar ist und es zur Kernschmelze kommt. Am 18. Dezember 2003 hätte es nach Einschätzung der IPPNW also ausgerechnet im neuesten deutschen Atomkraftwerk bei einem Abriss der Deckelentlüftungsleitung sehr schnell zum Super-GAU kommen können.