Mehr deutsche Soldaten für Afghanistan geplant

Rücksicht auf bayerische Landtagswahlen

Die Bundesrepublik Deutschland wird übereinstimmenden Medienberichten zufolge ihr militärisches Engagement in Afghanistan verstärken. Die "Frankfurter Rundschau" berichtet unter Berufung auf Koalitionskreise, die Bundesregierung wolle im Herbst bei der Verlängerung des Mandates im Bundestag die Aufstockung des Bundeswehrkontingents um 1000 auf 4500 Soldaten beantragen.

Die genaue Zahl hängt nach Informationen der "Welt" vom militärischen Ratschlag ab, den der Generalinspekteur der Bundeswehr, Wolfgang Schneiderhan, dem Verteidigungsminister unterbreiten wird. Der Vorsitzende des Bundeswehrverbandes, Bernhard Gertz, sagte dem "Kölner Stadt-Anzeiger": "Der Generalinspekteur will eine Obergrenze von 4500 Soldaten."

Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) und Verteidigungsminister Franz Josef Jung (CDU) wollen den Angaben nach darüber am Mittwoch zunächst die außen- und verteidigungspolitischen Experten der Parlamentsfraktionen und dann die Öffentlichkeit informieren. Laut "Frankfurter Rundschau" steht der Vorschlag Schneiderhans seit Monaten fest. Die Bekanntgabe sei jedoch aus politischen Gründen verzögert worden. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) habe nicht zuletzt mit Rücksicht auf die Landtagswahl in Bayern eine Debatte über eine vorzeitige Veränderung des Bundestagsmandats vermeiden wollen.

Den Zeitungen zufolge soll der deutsche Beitrag zur US-geführten Antiterrormission Enduring Freedom (OEF) von 1400 auf 800 Soldaten reduziert werden. Die Verkleinerung soll sich laut "Frankfurter Rundschau" jedoch ausschließlich auf den Anteil der Marine beziehen, die bisher bis zu 1300 Männer und Frauen zur Kontrolle der Seewege am Horn von Afrika einsetzen darf. Bei der Bereitstellung von 100 Soldaten des Kommando Spezialkräfte (KSK) für Bodeneinsätze in Afghanistan solle es bleiben.