Bundesregierung glaubt nicht an Alleingang von PKK-Splittergruppe

"Gefahrenlage" trotz "moderater Linie"

Im Fall der Entführung von drei deutschen Bergsteigern in der Türkei geht die Bundesregierung offiziell nicht vom Alleingang einer Splittergruppe der kurdischen Rebellenorganisation PKK aus. "Die PKK ist streng hierarchisch organisiert. Wir glauben deshalb nicht, dass eine örtliche Gruppe diese Tat in eigener Verantwortung geplant und durchgeführt hat", sagte Innenstaatssekretär August Hanning dem "Münchner Merkur".

Nach den Worten von Hanning muss man sich nach der Geiselnahme möglicherweise auch im Inland auf eine neue Gefahrenlage einstellen. "Es besteht das Risiko, dass diese Tat das Signal einer zunehmenden Gewaltbereitschaft sein könnte", sagte Hanning. "Gegenwärtig aber scheint es eher, als wolle die PKK ihre moderate Linie gegenüber Deutschland nicht nachhaltig ändern."

Hanning zufolge verfolgen die kurdischen Kräfte eine Doppelstrategie: "Während die PKK in der Türkei militant auftritt, bemüht sie sich in den letzten Jahren, in Europa den Einsatz von Gewalt zu vermeiden." In Deutschland sei jedoch zu beobachten, "dass hier lebende Kurden nach wie vor hohem Druck durch kurdische Funktionäre ausgesetzt sind, finanzielle Unterstützung zu leisten".

Nach offiziellen Angaben leben in Deutschland derzeit etwa 500.000 Kurden. Davon zählen nach Einschätzung des Bundesamtes für Verfassungsschutz etwa 11.500 zum "extremistischen Potenzial".