Pharmakonzerne konnten sich offenbar bei Online-Fortbildungskursen empfehlen

Mögliches Kartellverfahren gegen Ärztekammern

Das Bundeskartellamt prüft einem Medienbericht zufolge ein Verfahren gegen die Standesorganisation der Ärzte. Die Wettbewerbshüter haben den Verdacht, dass die Landesärztekammern Online-Fortbildungskurse für Mediziner erlaubt haben, bei denen Pharmakonzerne mehr oder minder direkt eigene Arzneien empfehlen, wie die "Süddeutsche Zeitung" berichtet. Viele Kurse seien "Werbemaßnahmen, die als Fortbildung getarnt werden", wirft das Kartellamt dem Blatt zufolge der Bundesärztekammer in einem Schreiben vor. Viele Pharmaunternehmen bieten dem Bericht zufolge kostenlose Fortbildungskurse im Internet an, für deren Genehmigung die Kammern zuständig sind. Das Amt erwäge nun, den Kammern per Unterlassungsverfügung zu verbieten, solche Kurse zu zertifizieren.

Offiziell will das Amt das Vorgehen nicht kommentieren. Die Wettbewerbshüter störten sich daran, wie Ärzte durch Schulungen der Industrie beeinflusst würden, deshalb wollten sie die Marktmacht der Pharmakonzerne begrenzen. Die kostenfreien Kurse der Industrie verdrängten unabhängige Schulungsanbieter.

Die Bundesärztekammer wehrt sich gegen die Vorwürfe. "Objektive Produktinformationen durch die Industrie sind durchaus notwendig, wenn sie ausgewogen sind", sagte der für Weiterbildung zuständige Vorstand Franz-Joseph Bartmann der Zeitung. Momentan gebe es keine Alternative dazu, dass Pharmakonzerne die Fortbildung von Ärzten finanzierten.