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Zahl der BAföG-Empfänger auch 2007 um 11.000 gesunken

"Auf der Strecke geblieben"

Immer weniger Schüler und Studenten erhalten eine staatliche BAföG-Unterstützung für Studium oder Berufsausbildung. Die Zahl der Empfänger der von Bund und Ländern finanzierten Förderung sank 2007 zum zweiten Mal in Folge auf rund 806.000, wie das Statistische Bundesamt am Freitag mitteilte. Das waren rund 11.000 weniger als im Vorjahr. 2006 war die Zahl der Empfänger ebenfalls um gut 11.000 zurückgegangen. Während das Bundesbildungsministerium die Zahlen als Bestätigung für die Erhöhung der BAföG-Bemessungsgrenzen in diesem Jahr wertete, sprachen Oppositionspolitiker von einer "blamablen Bilanz".

Der Anteil der geförderten Schüler ging 2007 um rund 2,3 Prozent auf knapp 312.000 zurück. Die Zahl der BAföG-berechtigten Studenten sank um 0,8 Prozent auf etwa 494.000.

Etwa 48 Prozent der Geförderten erhielten den maximalen Fördersatz von rund 585 Euro, 52 Prozent bekamen eine Teilförderung. Der durchschnittliche Förderbetrag pro Person und Monat blieb derweil auf Jahressicht gleich. Im Schnitt erhielten geförderte Schüler monatlich 301 Euro und Studenten 375 Euro.

Das Bundesbildungsministerium sprach von einem "geringfügigen" Rückgang und wertete die Zahlen als Bestätigung für die seit Anfang August geltende Erhöhung der Einkommensgrenze für eine BAföG-Bewilligung sowie die Anhebung des Höchstfördersatzes von 585 Euro auf 643 Euro. Das Minus bei den BAföG-Beziehern im vergangenen Jahr sei im Wesentlichen auf die seit Jahren nicht mehr angepassten Bemessungsgrenzen bei gleichzeitig steigenden Löhnen und Gehältern der Eltern zurückzuführen. Mit der Anhebung werde die Zahl der Geförderten künftig um etwa 100.000 Schüler und Studenten steigen, kündigte Bildungsministerin Annette Schavan (CDU) an.

Das Deutsche Studentenwerk zeigte sich skeptischer. Die seit 2001 erste Erhöhung des BAföG-Satzes trage nur der Preisentwicklung bis Ende 2006 Rechnung, kritisierte Generalsekretär Achim Meyer von der Heyde. Inzwischen seien Einkommen und Preise jedoch um weitere 3,3 Prozent gestiegen. Die Anpassung der Freibeträge sei aber dringend nötig gewesen, da sich die BAföG-Bewilligung speziell bei Antragstellern aus Familien der unteren Mittelschicht zuletzt oft "hart an der Grenze" bewegt habe, weil die Eltern einerseits zu wenig verdienten, um ein Studium der Kinder selbst zu finanzieren, und andererseits zu viel für eine BAföG-Bewilligung.

Die SPD geht davon aus, dass durch die BAföG-Anhebung mehr Kindern von einkommensschwachen Eltern der Weg an die Hochschulen geebnet werde. Der Rückgang der BAföG-Berechtigten im vergangenen Jahr sei "alarmierend", sagte der bildungspolitische Sprecher Jörg Tauss. Künftig hätten aber "mehr junge Menschen Anspruch auf mehr Geld".

Der hochschulpolitische Sprecher der Grünen-Bundestagsfraktion, Kai Gehring, attestierte der großen Koalition dagegen eine "blamable Bilanz". Die BAföG-Erhöhung komme "viel zu spät". Viele Studierwillige aus Elternhäusern mit geringen und mittleren Einkommen seien in den vergangenen drei Jahren wegen mangelnder Förderung "auf der Strecke" geblieben. Das BAföG müsse deshalb weiter ausgebaut werden.

Der FDP-Bildungsexperte Patrick Meinhardt sprach von einer "tickenden Zeitbombe". Die Regierung sei nicht in der Lage, die Bildungsgerechtigkeit zu erhöhen. Wer begabt sei, müsse unabhängig von Geldbeutel oder Bildungsstand der Eltern gefördert werden, forderte Meinhardt.

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