In Büchel liegen vermutlich die letzten Atombomben in Deutschland

Demonstration für atomwaffenfreie Zukunft

Der vermutlich letzte Atomwaffenstandort in Deutschland liegt in Büchel (Kreis Cochem-Zell) in der Eifel. Es ist der Fliegerhorst des 33. Jagdbombergeschwaders der Bundeswehr. Im Ernstfall sollen dort deutsche "Tornado"-Piloten im Rahmen der sogenannten Nuklearen Teilhabe US-amerikanische Atombomben an Bord nehmen, die unter Kontrolle der US-Streitkräfte auf dem Fliegerhorst gelagert werden. Kritiker fordern schon seit Jahren den Abzug der Atomwaffen. In einer bundesweiten Kampagne unter dem Motto "Unsere Zukunft - atomwaffenfrei" haben nun rund 50 Organisationen für die Zeit vom 24. bis 30. August zu Aktionstagen und Demonstrationen am Fliegerhorst aufgerufen.

Für die Lagerung von Atombomben gibt es offiziell weder von deutscher noch amerikanischer Seite eine Bestätigung. Nach Kenntnis des Berliner Informationszentrums für Transatlantische Sicherheit (BItS) ist Büchel jedoch der letzte Nuklearwaffenstandort in Deutschland. "Dort gibt es elf Lagerstätten, zehn für Waffensysteme und wohl eine zum Training", sagt BItS-Chef Ottfried Nassauer. Eine Lagerstätte könne jeweils vier Atombomben fassen.

Nassauer vermutet auf dem Bundeswehrstandort bis zu 20 Atombomben des Typs B61 und beruft sich dabei auf Aussagen von Experten der Vereinigung amerikanischer Wissenschaftler (FAS). Die Bomben würden von rund 140 US-Soldaten einer Spezialeinheit der 702. Munition Support Squadron bewacht und gewartet. Jede Bombe habe ein Vielfaches der Zerstörungskraft der Hiroshima-Bombe.

Der Einsatz der Waffen muss durch den amerikanischen Präsidenten freigegeben werden. Spezialisten müssten sie anschließend per Code freischalten und dann an die deutschen Piloten übergeben. An dem System der Nuklearen Teilnahme beteiligen sich laut BItS neben Deutschland noch Belgien, die Niederlande, Italien und die Türkei.

Thomas Bauer, Verteidigungsexperte beim Münchener Centrum für Angewandte Politikforschung, sieht die Nukleare Teilhabe als "notwendiges Übel", von dem man sich aber auch nach dem Ende des Kalten Krieges nicht ohne weiteres lösen könne. Denn dieses Prinzip stelle für Deutschland ein Mitspracherecht und eine "gewisse Form von Kontrollfunktion" zumindest hinsichtlich des Gebrauchs atomarer Waffen dar, wenn auch nicht über die Technik selbst.

Die Friedensaktivisten unter Federführung der "Gewaltfreien Aktion Atomwaffen abschaffen" (GAAA) hingegen glauben nicht an die Möglichkeit einer solchen Kontrolle und fordern den Abzug der Bomben, wie auch den Verzicht auf die Nukleare Teilhabe. Der Atomwaffen-Nichtverbreitungsvertrag verpflichte die Atommächte zur Abrüstung und Nichtatomwaffenstaaten wie Deutschland dazu, diese Waffen weder mittelbar noch unmittelbar von Dritten anzunehmen, sagte die Koordinatorin der geplanten Proteste, Marion Kuepker.

Zugleich sei Deutschland aber als Mitglied der NATO mitverantwortlich für deren nukleare Doktrin, die sich die Option zum atomaren Erstschlag offen halte sogar darüber diskutiere, Atombombeneinsätze im "Krieg gegen den Terror" zuzulassen, kritisiert Kuepker. Das sei nicht hinnehmbar.

Der Fliegerhorst in der Eifel ist bereits seit mehr als zehn Jahren Ziel von Protesten der Atomwaffengegner. Mehrmals waren dabei Demonstranten auch in das Bundeswehrgelände eingedrungen. In bisher 44 Fällen kam es der GAAA zufolge bisher zu rechtskräftigen Verurteilungen wegen Hausfriedensbruch und Sachbeschädigung.