Experten beraten über Flutung des Atomlagers Asse

Atomkraftgegner fordern Rückholung

Nach dem Betreiberwechsel im Atommülllager Asse bemühen sich die Beteiligten nun um einen Fahrplan für die Flutung des Bergwerks. Die Rede ist hierbei von einer "Schließung" des Atomlagers. was an Orwell'schen Neusprech erinnert. Dabei hängen die weiteren Schritte nach Ansicht von Bundesumweltminister Sigmar Gabriel (SPD) maßgeblich von einem Gutachten zur Standsicherheit ab, das im Oktober vorgelegt werden soll. Die von Atomkraftgegnern geforderte Rückholung des eingelagerten Atommülls komme nur in Frage, wenn die Sicherheit der Grube länger gewährleistet sei als bislang angenommen, sagte Gabriel. "Das geht überhaupt nur, wenn wir das Deckgebirge so stabil halten können, dass wir deutlich mehr Zeit haben als bis zum Jahr 2015", sagte Gabriel. Diesen Zeitpunkt hatte der bisherige Betreiber Helmholtz Zentrum München genannt und beantragt, das Bergwerk mit einer Magnesiumchlorid-Lösung zu fluten. Kritiker warnen hingegen, dass radioaktive Stoffe so leichter ins Grundwasser gelangen könnten. Zudem wären die Abfälle dann nicht mehr rückholbar.

Der neue Betreiber, das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS), räumt der Arbeit in der Asse nach eigenen Angaben "höchste Priorität" ein. "Die Menschen wollen zurecht wissen, welches Risiko von den nuklearen Abfällen in dem Bergwerk ausgeht und welche fachlich belastbaren Vorschläge zur Lösung des Problems existieren", sagte BfS-Präsident Wolfram König.

Akzteptanzbeschaffung für Atommüll: "Vertrauen der Anwohner"

"Wir wollen mit größtmöglicher Transparenz vorgehen, um das Vertrauen der Anwohner zu gewinnen", kündigte König an. Das BfS könne aber erst tätig werden, wenn das Bundeskabinett wie angekündigt Ende September den Betreiberwechsel formal vollzogen habe. Vertreter der Bundesregierung, der niedersächsischen Landesregierung und von Behörden kamen am Freitagnachmittag in Salzgitter zusammen, um Einzelheiten des Betreiberwechsels für die Asse zu klären.

Niedersächsisches Umweltministerium soll Hinweise übersehen haben

Wie die "Neue Osnabrücker Zeitung" unter Verweis auf den am Mittwoch bekanntgemachten Statusbericht zur Asse berichtete, hätte das niedersächsische Umweltministerium schon vor zweieinhalb Jahren über radioaktiv verseuchte Lauge im Atommülllager Asse informiert sein können. Es hätte jedoch entsprechende Hinweise in einer Dokumentation übersehen.

Danach erhielt das Ministerium 2006 vom Betreiber einen Bericht, in dem die Einleitung von radioaktiv belasteten Lösungen aus der 750-Meter-Sohle in den Tiefenaufschluss des Bergwerks geschildert wird.

Die Linke im niedersächsischen Landtag zeigte sich "sprachlos", dass das Ministerium die Informationen über die Laugenaustritte "überlesen" habe.

Die Anti-Atom-Bewegung berät an diesem Wochenende in Braunschweig über Konsequenzen aus den Pannen im Atommülllager Asse. Auf der Tagesordnung des dreitägigen Treffens stehe zudem der Protest gegen weitere Castortransporte nach Gorleben, sagte Konferenz-Sprecher Peter Dickel am Freitag.

DGB: Asse II nicht per Flutung stilllegen

Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) erklärte sich in einem Grußwort an die Herbstkonferenz mit den Forderungen der Atomkraftgegner in der Region Asse solidarisch. "Wir fordern, Asse II nicht per Flutung stillzulegen. Der Atommüll muss rückholbar bleiben", heißt es in dem Schreiben. Gewerkschaften unterstützen seit langem auch den Protest gegen das geplante Atommüllendlager Schacht Konrad nahe Salzgitter.

Nach Angaben von Umweltschützern aus Lüchow-Dannenberg soll in der zweiten Novemberwoche wieder ein Castortransport aus der französischen Wiederaufarbeitungsanlage La Hague ins Zwischenlager Gorleben rollen. Bereits Mitte Juli hatten Atomkraftgegner für den 8. November in Gorleben eine bundesweite Demonstration gegen den Transport angekündigt.