Thierse sieht Neonazis in Mitte der Gesellschaft angekommen

"Rechtsextremismus ist bürgerlicher geworden"

Bundestagsvizepräsident Wolfgang Thierse (SPD) sieht Neonazis als in der Mitte der Gesellschaft angekommen. "Der Rechtsextremismus ist bürgerlicher geworden", sagte Thierse am Mittwoch (19. November) in Berlin. Eine Glatze sei längst nicht mehr das Markenzeichen für eine rechte Gesinnung. Obwohl das Bewusstsein für rechtsextreme Probleme in der Bevölkerung gewachsen sei, hätten sich die Probleme in den vergangenen zehn Jahren nicht verringert, sondern in der Gesellschaft nur verlagert, sagte Thierse.

Anlass seiner Äußerungen war das zehnjährige Bestehen der Amadeu Antonio Stiftung, dessen Schirmherr Thierse ist. Die Stiftung fördert bundesweit Initiativen und Kampagnen gegen Rassismus und Antisemitismus. Thierse warnte davor, rechtsextremes Gedankengut zu ignorieren. "Die Menschen werden in schwierigen Zeiten verführbar für einfache Antworten", sagte er. In wirtschaftlich turbulenten Zeiten wie jetzt komme es darauf an, aus der Geschichte Deutschlands zu lernen. Politiker und Bürger müssten zusammen daran arbeiten, eine "demokratische Kultur" im Alltag zu etablieren.