US-Präsident Bush ist in den USA sehr unpopulär

Hintergrund

George W. Bush gewährt normalerweise keine tiefen Einblicke in sein Gefühlsleben, doch an jenem schönen Tag im Juli konnte er nicht mehr an sich halten. Eine Gospelsängerin war ins Weiße Haus geladen worden, um dem Präsidenten ein Ständchen zu bringen. "Ich weiß, wie es ist, wenn man alleine ist", sang die junge Frau, "ich weiß, wie es ist, wenn man nirgends hingehört. Halt' durch, auch wenn Du nicht weißt, wie es weitergehen soll." Bush, so berichteten Augenzeugen, war zutiefst bewegt von der Darbietung. Als die Künstlerin fertig war, lief er zu ihr und drückte ihr einen dicken Kuss auf die Wange. Um Bush ist es einsam geworden in den letzten Monaten seiner Präsidentschaft. Seine Zustimmungsrate in der Bevölkerung liegt seit beinahe zwei Jahren unter 40 Prozent - er ist so unpopulär, wie seit 70 Jahren kein Regierungschef mehr in den USA.

Selbst seine eigene Partei hat ihm den Rücken gekehrt. Beim republikanischen Parteitag war er unerwünscht und der republikanische Kandidat John McCain tut alles, um sich von Bush zu distanzieren.

Der demokratische Präsidentschaftskandidat Barack Obama, die Mehrheit der Medien und ein Großteil der Weltöffentlichkeit zeichnen seine Präsidentschaft unisono als Katastrophe. "Die Bush-Administration war die schlimmste seit der Zeit nach dem Bürgerkrieg", schrieben die Redakteure des einflussreichen Magazins "New Yorker" in ihrem Editorial, in dem sie ihre Leser dringlich dazu aufforderten, Obama zu wählen.

Bush, darüber ist die amerikanische Öffentlichkeit sich einig, hat in allen Bereichen versagt. So wird er praktisch allein für die derzeitige wirtschaftliche Lage verantwortlich gemacht. Im Jahr 2000, als Bush sein Amt antrat, hatte der Staatshaushalt einen Überschuss von 700 Milliarden Dollar. Der nächste Präsident startet hingegen mit einem Schuldenberg von elf Billionen Dollar in seine erste Legislaturperiode.

Vor allem aber steht Bush dafür, dass sich ein unüberbrückbarer Graben zwischen Arm und Reich in Amerika aufgetan hat. Fünf Millionen Amerikaner leben unter der `Armutsgrenze, sieben Millionen Menschen haben keine Krankenversicherung .

Dennoch hat Bush die Steuern für die Reichen massiv gesenkt und für den Durchschnittsamerikaner angehoben. Deshalb schrieb der Nobelpreisträger für Wirtschaftswissenschaft, Paul Krugman, auch in seinem Buch "Nach Bush", dass es Bush vor allem darum gegangen sei "alle Maßnahmen zu beseitigen, die einer kleinen begüterten Elite wehtun." Damit spricht Krugman neben der wachsenden Ungleichheit in Amerika auch eine zweite Hinterlassenschaft der Bush-Jahre an, mit der sein Nachfolger zu kämpfen haben wird: Eine alle Bereiche der Politik durchdringende Kultur der Korruption. "Die Vetternwirtschaft und Korruption berührt alles, was die Regierung Bush anfasst, von der unsäglichen Reaktion auf den Hurrikan Katrina bis zum gescheiterten Wiederaufbau des Irak", schreibt Krugman.

Der Irak-Krieg, in den laut den "New Yorker"-Redakteuren "Bush die amerikanische Öffentlichkeit hineinmanipuliert hat", nur um ihn dann in "jeder Hinsicht desaströs zu handhaben", ist wohl der schwerwiegendste Fehlschlag der Bush-Regierung und gleichzeitig derjenige, den man am Dauerhaftesten mit Bush verbinden wird.

600 Milliarden Dollar hat der Krieg die USA bereits gekostet, das Leben von 4000 amerikanischen Soldaten, Zehntausende irakischen Zivilisten und eine unbekannte Zahl irakischer Soldaten. Vor allem hat der Alleingang in den Irak jedoch die USA endgültig das Wohlwollen und das Ansehen ihrer Verbündeten in der ganzen Welt gekostet.

Irak war allerdings nicht der einzige Grund für die Isolation der USA unter Bush. Hinzu kam, wie das Nachrichtenmagazin "Newsweek" schrieb, "Bushs sture Obstruktion" jeglicher fortschrittlicher, multilateraler Umwelt- und Energiepolitik zugunsten der Washingtoner Öl-Lobby.

Am schwierigsten wiedergutzumachen ist jedoch der Image-Schaden, den die USA durch die staatliche Legitimierung von Folter sowie die Unterhaltung des Strafgefangenenlagers von Guantanamo erlitten haben. "Es wird eine der anhaltenden Vermächtnisse dieser Administration sein", schreibt die Wochenzeitschrift "The Nation", "dass die Vereinigten Staaten nun rund um die Welt dafür bekannt sind, Folter zu sanktionieren."

Bush jedoch verteidigt trotzig seine Verdienste, wenn er darauf angesprochen wird: "Ich hoffe die Nachwelt sagt von mir, ich hätte die Bedrohungen und Herausforderungen unserer Zeit klar erkannt und sei nicht davor zurückgeschreckt, das zu tun, was notwendig und richtig war", sagte er jüngst einem ägyptischen Reporter.