RWE kritisiert Beschlüsse des EU-Klimagipfels

"Kohle belastet"

Der deutsche Energiekonzern RWE hat die Beschlüsse des EU-Klimagipfels heftig kritisiert. Der Chef des Energieversorgers, Jürgen Großmann, sagte der "Frankfurter Rundschau", die Beschlüsse führten dazu, "dass Deutschland die Umstrukturierung des Kraftwerkparks in Mittel- und Osteuropa bezahlt". Nun würden in Deutschland trotz des hohen Modernisierungsbedarfs im Kraftwerkssektor weniger Projekte umgesetzt. Großmann erwartet als Folge, dass die Abhängigkeit Deutschlands vom importierten Gas steigen wird, "wenn die Kohle belastet und mehr Gaskraftwerke gebaut werden".

Der RWE-Chef kritisierte, die EU habe "kein ebenes Spielfeld" geschaffen. Die geplante Voll-Auktionierung von Kohlendioxid-Lizenzen werde die deutschen Energieerzeuger im Vergleich zum staatlichen französischen Stromkonzern EDF deutlich benachteiligen. EDF muss mit seinem fast 80-prozentigen Atomstrom-Anteil nur vergleichsweise wenige Kohlendioxid-Zertifikate kaufen.

Großmann: "Dies könnten bis 2020 bis zu 50 Milliarden Euro sein. Nun kommt auch noch eine Ungleichbehandlung im Verhältnis zu unseren östlichen Nachbarn bei der Kohleverstromung hinzu."

Der Brüsseler Gipfel hatte beschlossen, dass Stromkonzerne in den alten EU-Ländern die Kohlendioxid-Zertifikate ab 2013 voll bezahlen müssen, osteuropäische aber anfänglich nur rund ein Drittel. Vereinbart wurde zudem ein milliardenschwerer Solidaritätsfonds für Osteuropa, der sich aus den Gesamterlösen des Emissionshandels speist.