Umweltminister Gabriel soll Risikovorsorge gewährleisten

Kinderkrebs um Atomkraftwerke

Die atomkritische Ärzteorganisation IPPNW hat Bundesumweltminister Sigmar Gabriel (SPD) am Mittwoch (3. Dezember) rund 1000 Unterschriften zu den Ergebnissen der Studie "Kinderkrebs um Atomkraftwerke" zugesendet. Die Unterzeichner fordern den Minister auf, die erforderlichen Konsequenzen zu ziehen und die gebotene Risikovorsorge zu gewährleisten. Die Studie habe erwiesen, dass Kinder um so häufiger an Krebs erkranken, je näher sie an einem Atomkraftwerk wohnen. "Der eindeutig bewiesene negative Abstandstrend hat aus unserer Sicht seine Ursache in den radioaktiven Emissionen der Atomkraftwerke im Normalbetrieb", sagte der IPPNW-Kinderarzt Winfrid Eisenberg.

Nach Auffassung der Ärzteorganisation gibt es mehrere Erklärungsansätze der - laut Gabriel - um den Faktor 1000 "zu niedrigen" Emissionen als Verursacher der erhöhten Krebs- und Leukämierate um Atomkraftwerke.

Zum einen monieren die Ärzte, dass die Emissionsmessungen, die in der Regel von den Betreibern selbst durchgeführt werden, von den zuständigen Behörden nur gelegentlich kontrolliert werden. Außerdem würden bei den Messungen routinemäßig nicht die Beta- und Alpha-Strahler erfasst, "obwohl diese nach Inkorporation als Leukämieauslöser viel entscheidender sind als die Gammastrahler".

Zum anderen kritisiert die IPPNW, dass die Emissionsgrenzwerte so ausgelegt seien, dass ein gesunder Erwachsener sie vertragen könne. Kinder und Ungeborene seien aber "um ein Vielfaches strahlensensibler".

Die Atomkritiker fordern daher, die Grenzwerte der "erlaubten" Emissionen nicht an Erwachsenen, sondern an der Strahlenempfindlichkeit eines Embryos zu orientieren. Darüber hinaus müssten Atomaufsichts-Behörden nicht nur Gammastrahler, sondern auch Alpha- und Betastrahler an allen Atomanlagen "lückenlos messen".

Weiterhin fordert die Ärzteorganisation eine Beweislastumkehr. Nicht die Eltern der erkrankten Kinder müssten die Krankheitsursache nachweisen, sondern die Verantwortlichen für das jeweils in Betracht kommende Atomkraftwerk "ihre Unschuld zweifelsfrei beweisen".

Schwangere und Eltern von Säuglingen und Kleinkindern, die in der Nähe eines Atomkraftwerks wohnen, sollten außerdem "in verständlicher Weise über das erhöhte Risiko aufgeklärt werden", verlangen die Ärzte. "Darüber hinaus sind Laufzeitverlängerungen der Atomkraftwerke unter allen Umständen auszuschließen."