Marine will deutschen Luxusliner "verteidigt" haben

"Seeräuber" können Fischer gewesen sein

Da soll die Bundeswehr neuerdings gegen Piraten eingesetzt werden und schon liest man fast täglich von Piratenangriffen. Zuvor ging es jahrelang nur um "Terroristen", die bekämpft wurden. Jetzt soll es angeblich auch noch den Versuch eines Piratenangriffs auf ein deutsches Kreuzfahrtschiff gegeben haben und die deutsche Marine will den fragwürdigen Angriff abgewendet haben. Die Bundeswehr schildert den Hergang so: Zwei Schnellboote hätten sich in dem Seegebiet dem Vier-Sterne-Schiff "MS Astor" "genähert" und seien aber von einer deutschen Fregatte mit Warnschüssen "vertrieben" worden. Es sei das erste Mal, dass die deutsche Marine ein Kreuzfahrtschiff in einem solchen Fall "verteidigt" habe, sagte ein Sprecher des Einsatzführungskommandos am Freitag (5. Dezember) in Potsdam. Ob es sich aber tatsächlich um eine Attacke von Seeräubern gehandelt habe, sei nicht abschließend zu klären, stellte selbst die Bundeswehr fest. Die Schnellboote fuhren offenbar in fünf bis sechs Kilometer Entfernung von dem Kreuzfahrtschiff, teilte der Reiseveranstalter "Transocean Tours" mit.

Die "MS Astor" hatte nach Angaben von "Transocean Tours" 492 Passagiere an Bord. Das Schiff sei auf dem Weg von Sharm-El-Sheikh in Ägypten nach Dubai gewesen, sagte ein Sprecher in Bremen.

Der Sprecher bemerkte, dass die Passagiere von dem angeblichen Vorfall gar nichts bemerkt hätten. Einen direkten Angriff habe es nicht gegeben. Das Geschehen in fünf bis sechs Kilometern Entfernung von dem Kreuzfahrer abgespielt. Der Luxusliner habe seine Fahrt plangemäß fortgesetzt.

Der angebliche Vorfall wurde erst mit mehreren Tagen Verzögerung bekannt gegeben. Der Sprecher des Verteidigungsministeriums, Christian Dienst, sagte, die Angelegenheit sei "minder spektakulär" und nicht ungewöhnlich bei dem Einsatz. Deshalb sei das Ereignis nicht zuvor offiziell bekanntgegeben worden.

Der Sprecher sagte, es sei nicht festzustellen, ob tatsächlich Seeräuber in den Schnellbooten gesessen hätten. Ebenso gut hätten es Fischer sein können, die sich "missverständlich" verhalten hätten. Es gebe keine "Schablone", um Piratenboote bei einem solchen Einsatz schnell von anderen zu unterscheiden. Immer wieder komme es vor, dass sich Handelsschiffe zu Unrecht von Booten bedroht fühlten.

Die Europäische Union (EU) plant ab Dezember eine eigene Marineoperation "Atalanta", um bis zu 500 Seemeilen vor den Küsten Somalias und der Nachbarländer für Sicherheit auf den Seewegen zu sorgen. An der Mission will sich auch Deutschland beteiligen. Das Kabinett will nach Angaben von Vize-Regierungssprecher Thomas Steg am Mittwoch über einen Einsatz der deutschen Marine bei der EU-Mission beraten. Die Ressortabstimmung laufe noch. Gut möglich, dass deutsche Soldaten im "Kampf gegen Piraten" künftig auf Fischerboote schießen.

Mortler fordert schnelles politisches Handeln gegen Piraterie Die Vorsitzende des Tourismusausschusses im Bundestag, Marlene Mortler (CSU), forderte wegen des behaupteten Vorfalls ein schnelles politisches Handeln. Die Sicherheit für Besatzung und Passagiere an Brennpunkten dieser Art müsse stark erhöht werden, sagte Mortler am Freitag in Berlin. Der deutsche Tourist werde künftig dorthin reisen, wo er sich sicher fühle. Das könnte zu Verlusten für die Tourismusbranche führen.

Das Umfahren bestimmter Gebiete wie etwa der Küste vor Somalia hält Mortler nicht für zielführend. Folglich sollten Forderungen nach einem deutschen Beitrag an der EU-Mission "Atalanta" oder nach bewaffnetem Wachpersonal an Bord intensiv diskutiert werden, auch wenn die Reedereien diesen Ideen aus Kostengründen skeptisch gegenüber stünden. Eine Eindämmung des Problems sei dadurch allerdings nicht garantiert. "Aber wenn wir nichts tun, wird sich diese schwierige Gemengelage weiter verschärfen", so Mortler. Derzeit hätten Piraten aufgrund ihrer Bewegungsfreiheit leichtes Spiel.

Laut Mortler wird sich der Tourismusausschuss in seiner nächsten Sitzung mit der weltweiten Sicherheit für deutsche Touristen beschäftigen. Das momentane Wachstum der Tourismusbranche dürfe in Zeiten der Finanzkrise nicht gefährdet werden.