Bürgerinitiativen fordern Aufklärung über Atommüll in der Asse

Sonderverpackungen mit Bleiummantelung

Nach den neuerlichen Schäden im Atommülllager Asse begehren Umweltschützer einmal mehr Auskunft über das radioaktive Inventar des Bergwerks. "Es muss endlich geklärt werden, was da wirklich drin ist", sagte Michael Fuder vom Asse-II-Koordinationskreis am Dienstag (20. Januar) in Hannover. Nach Angaben der Umweltschützer befinden sich unter den insgesamt rund 6000 Atommüllfässern in der Kammer 4 auch zehn sogenannte Sonderverpackungen mit Bleiummantelung. "Wir wissen nicht, was sie enthalten", sagte Fuder. "Üblicherweise werden radioaktive Abfälle aber dann mit Blei ummantelt, wenn sie stark strahlen."

Die offiziellen Angaben seien nicht ausreichend. Vorrangig müssten in der akut vom Einsturz bedrohten Einlagerungskammer Proben genommen werden. Gleichzeitig gab es Kritik an der Novelle zum Atomgesetz.

Dem Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) ist nach eigenen Angaben die Existenz der zehn als "Sonderverpackungen" deklarierten Abfallgebinde bekannt. Die Behörde teile die Forderung nach Aufklärung über den Inhalt, sagte Sprecher Florian Emrich. Informationen könnten durch erneute Befragungen früherer Mitarbeiter oder in den Hohlraum eingelassene Sonden beschafft werden. Zunächst gehe es jedoch darum, die beschädigte Kammer zu stabilisieren, sagte Emrich.

Der Asse-II-Koordinationskreis und Umweltverbände verlangten auch Nachbesserungen an der Novelle des Atomgesetzes, die am Mittwoch im Bundestag beraten werden sollte. "Die Novelle ist eine 'Lex Asse'", sagte Fuder. Dem Gesetzesentwurf zufolge solle das Bergwerk zwar nach dem Atomrecht geschlossen werden, die Asse selbst werde aber nicht zum Atommüllendlager erklärt.

Der Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) verlangte vor der Schließung des Bergwerks einen "wissenschaftlich seriösen" Vergleich aller möglichen Optionen. Die brisante Lage mit der Gefahr einstürzender Decken und der Freisetzung von Radioaktivität könne die Bergung zumindest eines Teils des Atommülls erfordern. Damit dies auch möglich und gesichert sei, müsse eine Prüfung der Rückholbarkeit gesetzlich festgeschrieben werden, sagte der Energieexperte des BUND, Thorben Becker.

Der Text des Gesetzesentwurfs lasse "Interpretationen zu, die nicht akzeptabel sind", sagte die Grünen-Europaabgeordnete Rebecca Harms. Die Novelle müsse festschreiben, dass "gleichberechtigt zu anderen Wegen" auch eine Rückholung des Atommülls geprüft werde. Bisher lasse der Entwurf befürchten, dass der Optionenvergleich nicht so ergebnisoffen vorgesehen sei, wie behauptet.