2008 wurden in Afghanistan laut UN mehr als 2100 Zivilisten getötet

Luftangriffe

Der von den USA begonnene Krieg in Afghanistan hat im vergangenen Jahr mehr als 2000 Zivilisten das Leben gekostet, mehr als je zuvor seit dem Sturz der Taliban. Das teilte die UN-Mission in Afghanistan (Unama) am Dienstag (17. Februar) mit. Die Zahl der zivilen Opfer sei 2008 gegenüber 2007 um fast 40 Prozent auf 2118 gestiegen. 55 Prozent der getöteten Zivilisten seien von den Aufständischen getötet worden, 39 Prozent von afghanischen oder internationalen Truppen, insbesondere bei Luftangriffen. Die restlichen sechs Prozent der Toten seien keiner Seite eindeutig zuzuordnen gewesen; da sie beispielsweise im Kreuzfeuer umgekommen seien.

Mehr als 40 Prozent der zivilen Opfer seien im umkämpften Süden des Landes registriert worden, gefolgt vom Südosten (20 Prozent) und Osten (13 Prozent).

Der Norden, das Haupteinsatzgebiet der Bundeswehr, wurde in dem Jahresbericht zum wegen der vergleichsweise geringeren Zahl der zivilen Opfer nicht gesondert aufgeführt. Im Bericht heißt es jedoch, dass der Krieg sich auf den Norden ausdehne.

Die Zahl der getöteten Mitarbeiter von Hilfsorganisationen habe sich binnen Jahresfrist verdoppelt. 38 Helfer seien getötet und 147 weitere entführt worden. Die Arbeit von Hilfsorganisationen werde immer schwieriger. Weite Teile des Landes würden als „extrem riskante, feindliche Umgebung“ für Hilfsoperationen eingestuft.

Afghanische Regierung will einige private "Sicherheitsfirmen" schließen - Lizenz für Blackwater (Xe)

Unterdessen will die afghanische Regierung dem Wildwuchs privater "Sicherheitsdienste" ein Ende bereiten. Innerhalb der kommenden zwei Monate sollen 30 Firmen geschlossen werden. "Wir haben ihnen per Brief mitgeteilt, dass Sie ihre Waffen abgeben müssen", sagte der für Sicherheitsdienste zuständige Leiter der Antiterroreinheit der Polizei, Abdul Manan Farahi, der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung". Ob auch ausländische Unternehmen davon betroffen sind, ließ er ebenso offen wie der Sprecher des Innenministeriums.

Gleichzeitig sollen aber 39 Firmen erstmals eine einjährige Lizenz erhalten. Dazu gehört auch das amerikanische Unternehmen Blackwater, das vor zwei Wochen seine Zulassung im Irak verlor. Mitarbeiter der inzwischen in Xe umbenannten Firma stehen vor Gericht, weil sie in Bagdad grundlos 17 Zivilisten erschossen haben sollen. In Afghanistan trainiert das Unternehmen im Auftrag der amerikanischen Regierung die afghanische Polizei und schützt Personal der Botschaft in Kabul.

Ein Gesetzentwurf für private Sicherheitsdienste liegt bereits seit mehr als einem Jahr vor, ist jedoch noch nicht vom Parlament verabschiedet worden. Als einer der Gründe für die Verzögerung gilt, dass viele Abgeordnete und Regierungsmitglieder selbst Sicherheitsdienste betreiben und daher keine Regulierung wollen.