Streit um Herkunft des Asse-Atommmülls

Muss die Atomindustrie für ihren Müll zahlen?

Der Streit darüber, ob die Atomindustrie für die Entsorgung ihres Atommülls im niedersächsischen Lager "Asse" bezahlen muss, eskaliert. Das Bundesforschungsministerium wehrte sich gegen Vorwürfe des ARD-Magazins "Panorama", die Herkunft des in der Asse eingelagerten Atommülls verschleiert zu haben. "Wir verschleiern nichts", sagte Ministeriumssprecherin Viola Klamroth. Vielmehr habe das Forschungsministerium die Aufklärung der Vorgänge in der Asse "mit dem Ziel größter Transparenz auf den Weg gebracht". "Panorama" hatte zuvor unter Berufung auf einen "Inventarbericht" gemeldet, dass entgegen offiziellen Behauptungen rund 70 Prozent der insgesamt rund 126.000 Atommüllfässer aus Atomkraftwerken stammten. Das Forschungsministerium, dem das Bergwerk bis zum vergangenen Jahr unterstand, habe dagegen erklärt, nur etwa 30 Prozent der Fässer seien von der Energiewirtschaft angeliefert worden.

Diese Fässer machten nur fünf Prozent des radioaktiven Inventars der Asse aus. Der größere Teil der Abfälle komme aus Forschungseinrichtungen.

Nach Angaben von "Panorama" verschleiere das Ministerium damit jedoch, dass diese Abfälle bei der Bearbeitung von Brennstäben aus kommerziellen Reaktoren entstanden seien.

Forschungsministerium: Keineswegs die wiederaufbereiteten radioaktiven Abfälle der Kernkraftwerke

Das Ministerium erklärte dazu, bei den genannten 70 Prozent handele es sich um Betriebsabfälle aus "Wiederaufarbeitungsaktionen" im Kernforschungszentrum Karlsruhe wie Wischtücher, Schlämme, Hülsen, Ionenaustauscherharze oder Filter. Diese Sekundärabfälle seien in der Asse eingelagert worden, "aber keineswegs die wiederaufbereiteten radioaktiven Abfälle der Kernkraftwerke selbst". Diese hätten die Energieversorgungsunternehmen zurückgenommen, behauptete das Ministerium.

Die Wiederaufarbeitung sei seinerzeit zudem "im ausdrücklichen Interesse des Bundes" erfolgt, "die dabei entstandenen Sekundärabfälle sind der öffentlichen Hand zuzuordnen".

Greenpeace: Atommüll aus Kernkraftwerken wurde in Karlsruhe "neu verpackt und etikettiert"

Nach Darstellung der Umweltschutzorganisation Greenpeace sind große Teile des Atommülls aus Kernkraftwerken im Kernforschungszentrum Karlsruhe allerdings lediglich neu verpackt und etikettiert worden.

Der Streit um die Herkunft des radioaktiven Mülls in der Asse dauert schon seit Wochen an. Hintergrund ist die Frage, wer für die Kosten der Sanierung des einsturzgefährdeten Atommülllagers aufkommt.

Bundesumweltminister Sigmar Gabriel (SPD) hatte kürzlich eine Beteiligung der Atomkraftwerksbetreiber verlangt. Diese lehnen das bislang ab. Die Kosten werden auf mehrere Milliarden Euro geschätzt.