Erneut Feuergefecht deutscher Soldaten in Afghanistan

Trauerfeier für gefallenen Soldaten

Der Afghanistan-Einsatz bleibt für die Bundeswehr ein gefährliches Unterfangen. In der Nähe der nordafghanischen Stadt Kundus wurden am Donnerstag (7. Mai) offenbar erneut deutsche Soldaten in ein Feuergefecht verwickelt. Verletzte gab es offiziellen Angaben zufolge nicht. Deutschen und afghanischen Sicherheitskräften zufolge nahmen sie einen hochrangigen Taliban-Führer ("Terroristen") fest. Im baden-württembergischen Bad Saulgau fand am Donnerstag die offizielle Trauerfeier für den am 29. April in Afghanistan getöteten Bundeswehrsoldaten statt.

Nach Angaben des Verteidigungsministeriums wurde am Donnerstag bei Kundus eine Patrouille der Bundeswehr mit Handfeuer- und Panzerabwehrwaffen beschossen. Die Soldaten hätten das Feuer erwidert. Sie seien nicht verletzt worden.

Verletzt wurde hingegen ein deutscher Soldat bei einer Aktion in der Nacht vom 6. zum 7. Mai. Der Zustand des Mannes ist laut Verteidigungsministerium stabil, er wird im Bundeswehrcamp in Faisabad behandelt. Bei der Aktion gelang es deutschen Spezialkräften im Raum Faisabad, gemeinsam mit afghanischen Sicherheitskräften einen hochrangigen Taliban-Führer festzunehmen. Dabei soll es sich um Abd al-Racik handeln, der in der Provinz Badakshan als Kommandeur der Taliban gilt.

Bundesverteidigungsminister Franz Josef Jung (CDU) zeigte sich erfreut über die Festnahme. "Mit dieser erfolgreichen Operation, die lange vorbereitet war und bei der ein hochrangiger Terrorverdächtiger festgenommen wurde, haben die deutschen Spezialkräfte ihre Leistungsfähigkeit unter Beweis gestellt", sagte der Minister in Berlin. "Jeder, der unsere Soldaten und die unserer Alliierten in Afghanistan angreift, muss wissen, dass er bekämpft und zur Verantwortung gezogen wird", so der deutsche Verteidigungsminister über das Selbstverständnis des Kriegseinsatzes in Asien.

"Er war ein lebensfroher Mensch und ein beliebter Kamerad"

Am Mittag hatte Jung noch an der Trauerfeier in Bad Saulgau für den 21-jährigen Sergej M. teilgenommen. Der Bundeswehrsoldat Jägerbataillons 292 in Donaueschingen war am 29. April in Afghanistan getötet worden. Jung sprach den Angehörigen des Hauptgefreiten sein "tief empfundenes Mitgefühl" aus. Der 29. April sei "ein schwarzer Tag für das deutsche Einsatzkontingent der Internationalen Schutztruppe in Afghanistan und für uns, die gesamte Bundeswehr" gewesen. Sergej M. hatte sich bis Ende 2010 als Soldat auf Zeit verpflichtet. "Er war ein lebensfroher Mensch und ein beliebter Kamerad", sagte Jung.

Der Minister verteidigte den Bundeswehreinsatz in Afghanistan. Dieser diene "in erster Linie unserer Sicherheit". Afghanistan sei Ausbildungscamp und Domizil für den internationalen Terrorismus gewesen, behauptete der deutsche Minister. Die "Terroristen" hätten auch Deutschland im Visier. "Diejenigen, die jetzt an Rückzug denken, würden Afghanistan wieder in die Hände der Taliban geben", so Jung.