Niedersachsen - Landkreis Verden - Deutschland

Der Wahnsinn geht in die 3. Runde

In Niedersachsen, im Landkreis Verden, wird am Hühnerhighway gearbeitet, als würde es kein Morgen mehr geben – was auch sehr wahrscheinlich ist, wenn dieser Turbo-Kapitalismus weiter pervertiert. Die Tötungsmaschinerie Wietze – der Megaschlachthof – soll mit Quälfleisch aus dem Landkreis Verden beliefert werden. 27.000 Hähnchen werden dort in der Stunde maschinell getötet – 2,592 Millionen in der Woche. Alles, um billigstes Fastfood und billige Wurstvariationen an die Konsumenten zu bringen – ob sie es wollen, oder nicht. Gefördert wird die Tiertötungsanlage von der Landesregierung mit 6,5 Millionen Euro – Christian Wulff machte sich für die Subventionierung stark.

Parteiischer Landkreis?

Die Anwohner der geplanten Hähnchenmastanlage in Etelsen-Giersberg stellen sich mittlerweile beim 3. Antrag des Landwirts auf Genehmigung der Anlage die Frage, ob Recht und Gesetz im Landkreis Verden temporär außer Kraft gesetzt wurden und der Landkreis schlicht parteiisch ist. Geht es wieder nur um Billigwurst und Profit?

Seit 2008 tauchten fast immer unzulängliche oder falsche Gutachten auf, die das Genehmigungsverfahren für den Megamaststall vorantreiben sollten. Das erste Gutachten hatte der Landwirt selbst in Auftrag gegeben, in vielen Punkten erwiesen sich die angegebenen Daten als falsch. Doch damit nicht genug. Er hat den nächsten Antrag gestellt – seinen dritten. Die Unterlagen liegen wieder einmal aus, können im Landkreis Verden und anschließend im Langwedeler Rathaus eingesehen werden. Einwendungen können in schriftlicher Form bis zum 24. November erhoben werden. Der Erörterungstermin wurde vom Landkreis auf den 10. Januar 2011 gelegt. Ab 10.00, im Kreistagssaaal, in der Lindhooper Straße 67 in 27283 Verden.

Was bisher geschah

Der Landwirt Ernst besitzt seit vielen Jahren einen „kleinen“ Hähnchenmaststall von „lediglich“ 25.000 Hühnern, wobei bei jedem Mastgang ungefähr 5% sterben – das ist bei schlechtester Haltung bzw. der üblichen Masttierhaltung obligat. Er beantragte die Genehmigung für einen Stall mit 100.000 Hühnern, das Gutachten wies schwere Defizite auf, die Planung war insgesamt unvollständig. Ignoriert werden nicht nur gesetzliche Bestimmungen, sondern auch Marktanalysen, die Aussagen der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL) und des Geflügelmarkt – Experten Prof. Hans-Wilhelm Windhorst: DER GEFLÜGELMARKT WIRD ZUSAMMENBRECHEN.

Weder den Landwirt Ernst scheint das zu stören, noch den Betreiber der Schlachtanlage in Wietze, oder die Landesregierung. Wen wundert es. Moment, war da nicht kürzlich etwas mit der CDU-Politikerin und Agrarindustriellen Astrid Grotelüschen? Sollten sich derartige Ereignisse in Deutschland ausweiten, ist es wohl an der Zeit von Korruption innerhalb der Regierung zu sprechen – meinen so manche.

Bürgerinitiative, CDU, SPD, Die Grünen, Die Linkspartei

Eine Bürgerinitiative gegen den Maststall wurde damals zeitnah gegründet. Bis heute konnten sie verhindern, dass der Maststall genehmigt wird. Der agrarindustrielle Betrieb des Bauern Ernst, liegt in unmittelbarer Nähe zur Autobahn – dem Geflügelhighway. Der CDU-Politiker Andreas Mattfeld war 2008 noch Bürgermeister in Langwedel und empfahl den Bau der Mega-Mastanlage. Sicherheitsrisiken für Mensch, Natur und Umwelt entstünden durch die Anlage nicht. Die SPD tat sich schwer, die Belange der Bürgerinitiative zu unterstützen, und reagierte sehr zeitverzögert auf die Krisensituation. Die Linkspartei – allen voran ihre agrarpolitische Sprecherin Marianne König – organisierte immerhin eine Informationsveranstaltung zum Thema, der NABU bot ebenfalls Unterstützung.

Unterstützung

Erneut benötigt die Bürgerinitiative Unterstützung bei einem Problem, von dem die Menschen über Niedersachsen hinaus – in ganz Deutschland – betroffen sind. Unabhängig von parteipolitischen Interessen, ist eine Zusammenarbeit im Sinne der Menschen notwendig, die von diesem oder einem anderen Mega-Maststall betroffen wären. Im Falle des Schlachthofs in Wietze unterstellen Kritiker selbst den oppositionellen Parteien, den Tier- und Naturschutzinitiativen eine Untätigkeit und schließlich auch Mitschuld am Geschehen – das sollte jetzt ein Ende haben.

Alle sind gefordert zu handeln

Nicht nur die Anwohner der geplanten Mastställe, sämtliche Initiativen und die Parteien sind gefordert, den unnötigen, uneffektiven und für Mensch, Natur und Umwelt hochgradig schädlichen Einfluss durch die Anlagen zu verhindern.

In Etelsen-Giersberg, im Landkreis Verden, sprechen folgende Gründe nach wie vor definitiv gegen die Mastanlage:

  • Zu geringe Mindestabstände zum Wohngebiet, gesetzliche Auflagen werden nicht eingehalten – gesundheitliche Gefährdungen sind vorprogrammiert, insbesondere für Kinder, ältere Menschen und chronisch Kranke
  • In unmittelbarer Nähe steht ein geschützter Mischwald, der durch die erhöhten Belastungen eingehen würde
  • Die Geruchsbelästigung wäre durch die enormen Mengen Hühnerkot für die Anwohner unerträglich, bereits jetzt – durch den kleinen Maststall bedingt – kann im Sommer oft wegen des Gestanks nicht gelüftet werden
  • Nitrate, Antibiotika und Medikamente der Tiere würden den Boden und das Grundwasser belasten, dieses hätte u. a. eine Widerstandsfähigkeit von Menschen gegen Antibiotika und damit schwierigere Krankheitsverläufe zur Folge
  • Millionen von Viren, Bakterien und Schimmelpilzen würden die Anwohner im Umkreis schwer gesundheitlich belasten und außerdem Obst und Gemüse der Region ungenießbar machen
  • Der Schwerlastverkehr (40 Tonner) zum Transport der Tiere, bedeutet eine zusätzliche Geräusch- und Geruchsbelästigung für die Anwohner. Die Straßen sind außerdem nicht für Schwerlastverkehr geeignet
  • Durch den Bau der geplanten Mastanlage würden die Immobilien der Anwohner 50-70% an Wert verlieren
  • Ein Seuchenschutzplan und ein Brandschutzkonzept existierten nicht
  • Die extreme Quälerei der jährlich ca. 750.000 Tiere in der geplanten Anlage, wovon der frühzeitige Tod von ungefähr 40.000 Hühnern einkalkuliert ist, wird nicht berücksichtigt
  • Auch der Verzehr des Billigfleischs führt auf Dauer zu gesundheitlichen Beeinträchtigungen
  • Tierschutz ist in derlei Anlagen inexistent

Glaubwürdigkeit

Eine Genehmigung des Mega-Stalls in Etelsen-Giersberg wäre bestenfalls unverständlich, wenn nicht sogar irrsinnig. Es empfiehlt sich vermutlich für die oppositionellen Parteien, die zahlreichen Tier- und Naturschutzinitiativen, sich in das Geschehen einzubringen. Der Verlust an Glaubwürdigkeit betrifft derzeit fast ausschließlich unsere Regierungsparteien – das kann sich allerdings schnell ändern.

Einwendungen und Erörterungstermin

Sicherlich ist es sinnvoll, sich direkt an den Landkreis Verden oder die Gemeinde Langwedel zu wenden, um dort die Unterlagen einzusehen und Einwendungen zu erheben. Derzeit existieren bzw. vegetieren bereits 50 Millionen Masthühner in Deutschland – das sind mehr als genug, und mehr, als wir verzehren können. Die Gesundheitsschädigungen für die Anwohner derartiger Mastställe, sind schon jetzt spürbar. Die Schäden, die durch die Mastställe bereits bei den Tieren und der Natur verursacht wurden, sind kaum noch zu kompensieren. Die Möglichkeit, Einwendungen einzureichen, sollte von möglichst vielen wahrgenommen werden, ebenfalls sollte der Erörterungstermin genutzt werden.