Christian Wulff - Wenn Machtmenschen menscheln

Am Presse-Pranger

Karl Feldkamp - Gedanken zu Machtmenschen wie Christian Wulff Da rufen uns Bundespräsidenten-Parteifreunde auf, ihrem Christian Wulff schlichte menschliche Fehler einfach zu verzeihen. Schließlich habe er sich so ungeheuer anrührend zu entschuldigen gewusst. Was wolle dieses Volk der Kritikaster und Bedenkenträger denn noch mehr? Ja, unser derzeit noch erster Mann im Staat, menschelt über die Maßen. Schon allein dadurch müsste er sich doch zum absoluten Sympathie-Träger aufschwingen. So ein Mensch kann doch nicht einfach sein Amt verlassen. Wäre doch irgendwie feige. Wie sicherlich seine guten Bezahl-Freunde meinen, sollte sich der Bürger viel mehr über die sensationsgeilen Medien empören, die jede Kleinigkeit aus der hannoverschen Vergangenheit dieses ungewöhnlich gewinnenden Schwiegermutterschwarms an das gegenwärtige Licht der Öffentlichkeit zerren. Recht haben sie.

Koreanischer Übermensch

Wir brauchen in unserer Demokratie keine Übermenschen wie etwa jenen kürzlich verstorbenen nordkoreanischen Diktator, der bei Lebzeiten nicht einmal zu gewissen menschlichen Bedürfnissen neigte. Vielleicht ist er auch nur verstorben, weil ihm in einem Alter, in dem manche längst zur Inkontinenz neigen, die Harnblase platzte. Wer weiß? Die koreanische Nachwelt wird sein Geheimnis sicherlich nicht erfahren. Machthaber brauchen Geheimnisse, damit daraus später jene Legenden werden, die Helden der Vergangenheit schließlich ausmachen. Warum soll nicht Christian Wulff (trotz Kriegsrhetorik) als der menschlichste aller deutschen Bundespräsidenten und als Held von gestern in die Geschichtsbücher eingehen?

Reich und schön

Und seien wir doch einmal ganz ehrlich. So ein Paar wie die Wullfs hatten wir noch nie im Schloss Bellevue. Christian und seine attraktive First Lady machen doch auch in der Welt der Reichen und Schönen was her. Auch wenn beim Reichtum offenbar immer noch ein paar kleine und größere Nachhilfen nötig sind.

Gut, die Frage muss erlaubt sein, welche Erwartungen an die menschlichen Qualitäten eines Präsidenten in einem demokratisch verfassten deutschen Staat zu stellen sind? Muss er für sein Amt tatsächlich tugendhafter, weniger naiv und realistischer veranlagt sein als die Masse seiner Durchschnittsbürger, die er im In- und Ausland zu präsentieren sich abmüht?

Oder reicht es, wenn er Reden halten kann, in denen er Tugenden anmahnt, nach denen er und die meisten Bürgerinnen und Bürger sowie migrationsbedingte Mitbürgerinnen und Mitbürger kaum oder nur in geringerem Maß leben?

Wieviel Mensch und wieviel Übermensch soll der deutsche Herr Mustermann von Machthabern in hohen politischen Machtpositionen erwarten dürfen? Sollte Lieschen Müller nicht erst einmal vor der eigenen Moraltür kehren, bevor sie einen biederen ursprünglichen Osnabrücker mithilfe der BILD und anderer Medien an den Pranger stellen hilft?

Fragen über Fragen.

Und die kann, wie es demokratischer Brauch sein sollte, das Volk nicht einmal durch Wahl oder Abwahl beantworten. Nunja, das Volk passt rein menschlich ohnehin nicht zu seinem Präsidenten. Es sollte einfach anspruchsloser und verständnisvoller werden. Das könnte sowohl bei der Wiederwahl Angela Merkels als auch bei der noch nicht ausgestandenen Finanz- und Wirtschaftskrise ungemein hilfreich sein.

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