Joachim Gaucks Antrittsrede

Politik - neuer Bundespräsident

Was für ein herrlicher Freitag! Zumal es der letzte dieser Woche ist, doch Spaß beiseite, Ben Wettervogel hat sich heute Morgen bei seinem Wetterbericht fast überschlagen. „Toll, prima, herrlich….“, dem Mann sind die Superlative förmlich knapp geworden. Frühling, eben! Vielleicht fühle ich mich aus diesem Grund bei Gaucks Antrittsrede, seinen Vor- und Nachrednern an Loriot erinnert, dessen Bundestagsrede das Abspulen von Worthülsen und nicht zu ende formulierten Sätzen so grandios parodierte.

Bei mir läuft im Hintergrund die Vereidigung von Joachim Gauck als elften Bundespräsidenten und ich werde gleich, quasi live, eine erste Stellungnahme zu seiner Antrittsrede geben. Zurzeit versucht Lammert gerade Wulffs Ehre nachträglich wieder herzustellen, desgleichen anschließend Seehofer. Jetzt kommt sie, die heiß ersehnte Antrittsrede!

Nun ist sie auch schon vorbei und mir im Gedächtnis geblieben ist: „Nur wenn wir sagen, wir sind das Volk, werden wir ein Volk, und, das Streben der Unterschiedlichen nach Gemeinsamkeit, und Vertrauen, Vertrauen und noch einmal Vertrauen, klare Rede bei den Politikern und Engagement bei allen Bürgern.“ Was fange ich nun damit an?

Oder vielmehr wo? Zunächst einmal bei mir selbst. Vertrauen, klare Rede, der Glaube an die Selbstwirksamkeit, Unterschiede aushalten und sie nicht gegeneinander ausspielen, sondern sie verbinden. Nicht warten, bis mir jemand sagt, was zu tun ist, sondern selber tun. Mmh…. Somit wäre das Schreiben dieses Artikels der erste Schritt in die richtige Richtung. Einfach weiter machen, ohne zu wissen, ob überhaupt irgendjemand meine Zeilen liest. Sich jeden Morgen dazu aufraffen, diese wenigen Worte zu schreiben, auch wenn tausend Bequemlichkeitsgründe dagegen sprechen, obwohl es das einzige ist, von dem ich meine, dass ich es kann.

Weiter meine Gedichte und Sentenzen veröffentlichen, obwohl sie mir in den Wind geschrieben vorkommen, in der Hoffnung darauf, dass sie irgendwo ein kleines Echo finden. Im Prinzip ist es gar nicht so schwer. Einfach sich selber fragen, welche besonderen Fähigkeiten habe ich und wie kann ich mich damit nützlich machen. Wer den Helfer oder den Beschützer in sich erkennt, hilft und beschützt eben. Wer Schönheit liebt, verschönert eben ein winziges Stück Welt. Wer gerne liest, liest vor, damit auch andere in die wunderbare Welt des geschriebenen Wortes eintauchen können. Wer gerne lächelt, lächelt eben nur und gibt dieses Lächeln weiter. Diese Liste wäre noch endlos fort zu setzen. Was kann ich? Was mag ich? Wie kann ich andere daran teilhaben lassen? Mehr ist gar nicht nötig.

So schaffen wir ein Land zu dem „unsere Kinder und Enkelkinder auch noch unser Land sagen können.“ (Joachim Gauck)