Wählen oder Nicht-Wählen. Das ist hier die Frage

Wahlen in NRW

NRW-Wahlen Gärtnern ist voll im Trend. Selbst in großen Städten werden inzwischen Gemeinschaftsgärten angelegt. Und beim Wühlen im Mutterboden macht sich der Deutsche mit Lust die eigenen Hände schmutzig. Für die Politik gilt das weniger. Bei diesem vermeintlich unsauberen Geschäft wollen sich immer weniger Bürger die Hände beschmutzen. Die Mitgliederzahlen der Parteien schrumpfen. Ebenso die Zahl der Bürger, die noch zur Wahl gehen. Ist diese Entwicklung ein unglücklicher Zufall oder Methode?

Zwischen Verantwortlichen und Trittbrettfahrern

Deutsche neigen offenbar zu Spaltungen. Zu der größer werdenden zwischen arm und reich wie zu der zwischen aktiv Verantwortlichen und Trittbrettfahrern. Aber auch jene, die glauben in einer gesicherten Demokratie zu leben, entfernen sich von denen, die unsere Staatsform für eine Lobbykratie halten, in der ausschließlich Interessengruppen mit Schmiergeldern und anderen Vorteilsnahmen und -gaben Einflüsse ausüben. Nicht wenige Bürger geben vor, sich so sehr vor Politiker-Machenschaften zu ekeln, dass sie selbst das demokratisch politische Minimum - den Gang zur Wahl - verweigern, weil die da oben nach der Wahl ohnehin machen, was sie wollen. Der Wähler, glauben viele, solle seine Stimme dem Politiker abgeben, damit er nach der Wahl schweige.

Stolz, die Stimme abzugeben

In Ländern, in denen sich die Bevölkerung mühsam und unter Lebensgefahr gegen diktatorische und korrupte Systeme durchsetzte, sind die Menschen stolz und froh, ihre Stimme abgeben zu können. Nun hat der Alt-Bundesrepublikaner seine Demokratie einst von Besatzungsmächten nur geschenkt bekommen, während Ex-DDRler – wie zum Beispiel unser neuer Bundespräsident – noch stolz auf die erkämpfte Freiheit ihres Volkes sein können. Der gewöhnliche Westdeutsche ist es gewohnt, interessiert am Fernsehapparat zu sitzen und nicht ohne Begeisterung zu verfolgen, wie andere um ihre demokratische Freiheit kämpfen. Mancher Ostdeutsche hingegen fühlt sich vom System der ehemaligen Bundesrepublik übernommen und deswegen nur bedingt um echte Mitwirkung befragt. Zudem lernt der deutsche Nachwuchs weder im Studium noch in der Schule und im Kindergarten demokratisches Verhalten. Hier bestimmen Erzieher, Lehrer und Professoren, was gemacht und geprüft wird, um den Nachwuchs darauf einzustimmen, das im Beruf, die Chefetage das Sagen hat. Irgendetwas ist also faul im demokratischen Staate Deutschland.

Wahlentscheidende Wetterlagen

Andererseits wird es doch nicht einfach nur der unmündige Wahlbürger sein, der sich ein paar gängige Ausreden für seine Bequemlichkeit zurecht gelegt hat? Selbst das Wetter muss inzwischen herhalten. Bei gutem Wetter gehen viele nicht zur Wahl, da sie in ihrer Freizeit Besseres zu tun haben. Zum Beispiel, sich ihrem Garten zu widmen. Bei schlechtem Wetter bleibt der potentielle Wähler lieber zu Hause und schaut sich Filme aus guten alten Zeiten und natürlich die Wahlberichterstattung an. Nicht-Wähler stellen bekanntlich die größte Wählergruppe. Sie geben vor, mit der Politik aller Parteien nicht einverstanden zu sein und meinen, ihr angeblich schwieriges Leben zu großen Teilen den Machenschaften derer da oben zu verdanken.

Scheintote der lebendigen Demokratie

Sie sind die Scheintoten einer lebendigen Demokratie, die Politiker fast aller Parteien in Sonntagsreden als die beste aller bekannten Staatsformen anpreisen. Im Alltag neigen allerdings tatsächlich einige von ihnen dazu, sie zum eigenen Nutzen zu missbrauchen. Radikale Parteien rechts und links außen liebäugeln längst mit diktatorischen Staatsformen. Ihre Parteigänger, die schon lange mit ungestilltem Machthunger auf den großen Einfluss in Deutschland warten, würden dann die einmal erkämpfte Macht möglicher Weise gern mit ihren weniger demokratischen Mitteln absichern. Ihnen spielen vor allem Nichtwähler Einfluss zu. Aber auch jenen, die ihre Ämter missbrauchen. Durch die Wahl demokratischer Parteien, die immer wieder als Konkurrenten um die Wählergunst werben müssen, könnten sie sich Mitgestaltungsmöglichkeiten erhalten. Dazu reicht es allerdings kaum, sich allgemeiner und konsequenzloser Politikerschelte hinzugeben. Wahlteilnahme sowie Engagement in politischen und gesellschaftlichen Gruppierungen und Projekten ist unersetzlich und bedeutet Vielfalt. Die wiederum verhindert totalitär vereinheitlichende Bewegungen und Machtmissbrauch.

So gilt es, am Wahlsonntag in NRW das geliebte Gärtnern zu unterbrechen und mit gewaschenen Händen zum nächsten Wahlbüro zu gehen. Im Garten und in der Demokratie kann nur gedeihen, was gepflanzt und gut gepflegt wird.