GRIECHENLAND: ZURÜCK IN DIE ZUKUNFT!

Ein durchaus ernst gemeinter Denkanstoß von Dirk C. Fleck

Die Zukunft von Griechenland, beschrieben von Dirk Fleck Endlich gibt es einmal etwas Positives zu vermelden in diesen hektischen Krisenzeiten. Wie aus gut unterrichteten Kreisen zu erfahren ist, hat sich die griechische Regierung nach einer heimlich durchgeführten Volksbefragung dazu entschlossen, weitere Finanzhilfen der EU abzulehnen, die Eurozone zu verlassen und sich mit der FD (“Freie Drachme”) eine eigene neue Währung zu geben. Die Hellenen schicken sich also an, unter dem Euro-Rettungsschirm hervorzukriechen. Sie wollen nicht länger als Protektorat Brüssels dahin vegetieren, sie wollen ihre Souveränität zurück und damit die Möglichkeit, so viel Demokratie zu wagen, wie es den Ländern, die unter der Knute des Finanzkapital leiden, nie möglich sein wird. Dabei haben sich die Griechen des weisen spartanischen Königs Lykurg (regierte von 219-211 v. Chr.) erinnert, der das Land mit einer geldpolitischen Innovation einst zu hoher Blüte führte. Um Gier und Habgier vorzubeugen, hatte der Mann Münzen aus Eisen eingeführt. Im damals noch feuchten Mittelmeerklima sind die Münzen verrostet. Das Geld veraltete also genauso schnell, wie die Dinge, die es dafür zu kaufen gab.

Aus rostendem Material ließ sich kein Geldvermögen aufbauen und vererben. Lykurg wusste das. Was die griechische Hochkultur mit fließendem Geld geschaffen hat, ist erstaunlich: die Baukunst des römischen Reiches, sowie die Grundlagen der modernen Philosophie, der Mathematik, der Astronomie, der Physik und – der Demokratie. Das neue Freigeld FD soll nun im heutigen Griechenland ähnliches bewirken.

In Deutschland und anderswo in Europa hat das frühzeitige griechische Modell erst einige Jahrhunderte später gezündet, aber ebenfalls erfolgreich. Als die Stauferkönige nicht mehr wussten, wie sie ihren Haushalt finanzieren sollten, führten sie die „Brakteaten“ ein – aus dünnem Blech einseitig geprägte Münzen. Diese Münzen wurden jährlich „verrufen“ – für ungültig erklärt. Mit einem „Abschlag“ von 20 % konnten sie dann gegen die neuen gültigen Münzen umgetauscht werden. Mit dem Abschlag finanzierten die Könige den Staatshaushalt. Und weil das so einfach war, machten die meisten europäischen Herrscher zwischen dem 12. und 15. Jahrhundert es ihnen nach. Was die mittelalterliche Hochkultur mit fließendem Geld geschaffen hat, ist erstaunlich:

  • Die vielen wunderschönen mittelalterlichen Städte wurden gegründet und ausgebaut – im deutschen Sprachraum, in Italien, in Frankreich und Holland.
  • Fast alle großen Dome und Kathedralen Europas wurden in dieser Zeit erbaut.
  • Die Hanse verwandelte ärmliche Fischerhäfen rund um die Ostsee in Oasen blühenden Reichtums – die Hansestädte.
  • Die Fünftagewoche wurde fast überall eingeführt – ganz ohne Gewerkschaften: außer dem Sonntag war der „blaue Montag“ arbeitsfrei. Teilweise gab es sogar eine 4-Tage-Woche.

Der Historiker Egon Friedell beschreibt die üppigen Festgelage des einfachen Volkes mit Gauklern und Geschichtenerzählern, Musikanten und Troubadouren – es war eine Zeit, die überquoll vor triefendem Hochgenuss.

Es lebe das freie Griechenland, es lebe die Freie Drachme! Darauf einen Ouzo, Leute!

Dirk C. Fleck