Hartz 4 - Unter die Räder gekommen

Gedanken zu Hartz iV

wer erst bei hartz 4 angekommen ist, dem ist vieles nicht mehr möglich

Normalerweise blendet der Bürger das Thema - Hartz IV aus. Nur wenn Schmarotzer vom Schlage eines Florida Rolf medienwirksam tönten, wie gut sie auf Kosten des deutschen Steuerzahlers im tropischen Paradies leben können, kocht das Thema gelegentlich hoch und macht ordentlich Stimmung gegen die Ärmsten in Deutschland. 

Sehr viel seltener machen die Betroffenen auf sich Aufmerksam, wie etwa Ralph Boes, der einen Hunger-Protest gegen dieses System gestartet hat. Die meisten Betroffenen dulden die Sanktionen und wagen nicht, dagegen zu protestieren. Der Grund: Sie schämen sich dafür, dass sie auf Hilfe angewiesen sind.



Die Organisatoren können ein Lied davon singen. Beispielsweise die Verantwortliche in einem privat organisierten Hilfsverein in einem kleinen Bayerischen Ort. Der Verein organisiert hier eine wöchentliche Lebensmittelausgabe und ist teilweise am Verzweifeln, weil sie nicht mehr wissen, wo sie die Hilfsgüter herbekommen sollten. Denn mittlerweile nehmen in dem 4000-Einwohner-Ort mehr als 80 Menschen das Angebot wahr, die Tendenz: stark steigend.

Besonders tragisch ist die Tatsache, dass hier viele Menschen unverschuldet ins soziale Elend gestürzt sind. Die Vorsitzende nennt ein paar exemplarische Beispiele:

  • Die Frauen der älteren Generation haben sich meist um Haushalt und Kinder gekümmert. Stirbt im Rentenalter der Mann, der die Familie in den Jahrzehnten vorher versorgt hat, bleiben ihnen oft gerade einmal 150 Euro zum Leben. Sie haben oft nicht einmal Anspruch auf Grundsicherung. Denn das Häuschen, das sie in jüngeren Jahren errichtet haben, fällt als Vermögen in die Berechnung der Leistungen hinein.
  • Besonders tragisch ist für die Helfer auch der Fall eines Ehepaares in den 50ern: Nach einem Schlaganfall und weil sie an einer seltenen Stoffwechselerkrankung leidet, ist die Ehefrau stark eingeschränkt. Sie wird vom Ehemann gepflegt, der allerdings auch kein Pflegegeld bekommt, weil die Kriterien für die Pflegestufen nicht erfüllt sind. Das Ehepaar lebt von 20 Euro im Monat. Das geht nur, weil der Ehemann in den Sommermonaten Pilze sammelt und trocknet. Sobald die Vorräte für den Winter aufgefüllt sind, wird der Rest verkauft. Beide leben in einer Behausung mit Außentoiletten, die man eher in den Slums der Dritten Welt vermuten könnte. Bad oder Dusche kennen sie nicht.

Die Beispiele zeigen: Um den deutschen Sozialstaat ist es weit weniger gut bestellt, als offiziell verlautbart wird. Die zuständigen Sachbearbeiter in den ARGEs legen zudem die Vorschriften und Paragraphen des Sozialgesetzbuches nachteilig für die Betroffenen aus, weil per se Faulheit und mangelnde Leistungsbereitschaft unterstellt wird. Das sind Sekundärqualitäten der Verwaltung, die man eher in einem totalitären System erwarten würde.

Harry Sochor

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