Edward Snowden | Überwachung durch Prism: 500 Millionen und eine Überschlagsrechnung

<<Lügen mit Zahlen>>

 Edward Snowden und die ÜberwachungLaut Edward Snowden speichert der amerikanische Geheimdienst NSA mit seinem Prism-System die Daten von rund 500 Millionen Verbindungen im Monat allein in Deutschland. Internet-Experten behaupten, das sei eine totale Kontrolle: Praktisch würde jedes Telefonat, jede SMS, jede E-Mail, jede Google-Suche, jeder Webseitenbesuch, jeder Facebook-Post erfasst. Stimmt das eigentlich? Wie viele solche Verbindungen gibt es denn insgesamt? Eine Überschlagsrechnung von Jens Jürgen Korff.

Inzwischen gibt es die Gegenbehauptung des Bundesnachrichtendienstes, bei diesen 500 Millionen Verbindungen handle es sich gar nicht um Verbindungen von Deutschen, sondern um solche von Ausländern, die Deutsche betreffen. Wenn wir das einmal dahingestellt sein lassen und den – zumindest für uns hier – schlimmeren Fall annehmen, dass es sich doch um Verbindungen von Deutschen handelt, dann muss die Frage gestellt werden: Wie viel Prozent der Verbindungen, die wir täglich eingehen, sind das eigentlich?

Ich mache eine Überschlagsrechnung: An einem normalen Arbeitstag initiiere ich, sagen wir:

  • 15 Telefonate und SMS,
  • 20 E-Mails,
  • 10 Google-Suchen,
  • 30 Webseiten-Besuche,
  • 5 Netzwerk-Posts,

zusammen also 80 Verbindungen.

An 25 Arbeitstagen ergibt das 2000 Verbindungen im Monat.

Angenommen, ein Viertel der Deutschen, also 20 Millionen, sind so intensiv online wie ich, dann erzeugen sie 40 Milliarden Verbindungen im Monat. Die Verbindungen der übrigen Deutschen vernachlässigen wir hier. 500 Millionen von 40 Milliarden sind ein Achtzigstel, also 1,25 Prozent.

Nach dieser Überschlagsrechnung erfasst Prism also nicht alle unsere Verbindungen, sondern nur 1,25 Prozent davon. Fast 99 Prozent dessen, was wir in Internet und Telekommunikation tun, bliebe demnach von Prism unerfasst. Auch dann, wenn Snowden Recht hat. Ich will das nicht verharmlosen, aber von flächendeckender Überwachung kann bei einem solchen Größenverhältnis nicht die Rede sein.

Jens Jürgen Korff